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Preisträger 2001
Kazuo Soda (Japan), PRO ASYL und Heiko Kauffmann

Preisverleihung an Kazuo Soda und Heiko Kauffmann (in der Mitte Gerhard Diefenbach) Foto: www.arbeiterfotografie.de
Kazuo Soda (Japan)

Atombombenopfer, Friedensaktivist

Kazuo Soda kämpfte für die Abrüstung von Atomwaffen und war Vertreter der HIBAKUSHA-Bewegung.

Er selbst ist Opfer des Atombombenangriffs auf Nagasaki, infolgedessen sowohl seine Eltern als auch sein älterer Bruder starben.

Im Rahmen seines Engagements für den Frieden war er ständiger Gast und Redner am Hiroshima-Gedenktag in Köln auf der Domplatte und appellierte dabei für die Ächtung von nuklearen Kampfstoffen.

Er zählt zu den 460 000 Menschen, die noch heute an den Folgen der Atombombenabwürfe von Hiroshima und Nagasaki leiden.

 Geboren wird Kazuo Soda am 24. November 1930 in Nagasaki. 10-jährig zieht man ihn, im dritten Schuljahr an einer staatlichen Mittelschule, zum Arbeitsdienst in einen Rüstungsbetrieb ein. Er erlebt den atomaren Angriff auf seine Heimatstadt am 9. August 1945 im elterlichen Haus, 2,5 km vom Explosionszentrum der Bombe entfernt. Im Dezember 1945 stirbt der ältere Bruder an den Folgen, die Eltern fünf Jahre später. Er wird Lehrer in einer öffentlichen Oberschule, seine Lehrtätigkeit, die er 38 Jahre ausübte, wird begleitet von dem unermüdlichen Wirken wider das Vergessen.

Foto: www.arbeiterfotografie.de

Kazuo Soda ist ein Einzelkämpfer für die Ächtung von Atomwaffen, er ist aber auch ein Vertreter der HIBAKUSHA-Bewegung kraft seines persönlichen Engagements. Diese Bewegung ist ein Zusammenschluss der überlebenden Strahlenopfer. Eine Bewegung der Ausgegrenzten und Geächteten. Die HIBAKUSHA haben nicht nur unmittelbar die Schrecken des atomaren Infernos erlebt und erlitten, sondern auch die nachfolgende Ausgrenzung aus dem gesellschaftlichen Leben. Gerade aus ihren  psychischen und physischen Verletzungen haben einzelne Überlebende wie Kazuo die Kraft für ihr Friedensengagement bezogen. Sie ließen sich durch die Gleichgültigkeit und Ignoranz ihrer sozialen Umwelt nicht beirren. Für ihre Friedensarbeit erfahren die HIBAKUSHA keinerlei Unterstützung von staatlicher Seite, ihre Friedens-Pilgerreisen finanzieren sie aus eigenen Mitteln.

 HIBAKUSHA heißt "Die Bombardierten". Dieser Begriff meint inzwischen nicht mehr nur die Opfer, sondern wird auch als Bezeichnung für die Anti-Atomwaffen-Bewegung genutzt. Ihr Symbol ist ein Kranich.

 Kazuo und seine Mitstreiter haben nie einseitig die USA für den atomaren Massenmord von Hiroshima und Nagasaki alleine verantwortlich gemacht, sondern auch den japanischen Imperialismus an den Pranger gestellt. Auch wird immer wieder eindringlich geschildert, was der koreanischen Bevölkerung von japanischer Seite angetan wurde. Zu den Atombombenopfern zählen auch zahlreiche koreanische Zwangsarbeiter.

Kazuo Soda ist aktives Mitglied der weltweiten Friedensbewegung geworden.

Sein Wissen, seine Gefühle und seine Erfahrungen haben ihn vor zehn Jahren dazu bewogen, den Dienst als Lehrer zu quittieren, um auch über Japans Grenzen hinaus die Menschen auf die tödliche Gefahr von Nuklearmaterialien, insbesondere von Atomwaffen aufmerksam zu machen und durch seine Friedensreisen dem Vergessen und der Verdrängung entgegen zu wirken.

 1991 kommt er zum ersten Mal nach Deutschland, er trifft in Köln auf der Domplatte Walter Herrmann bei der Gestaltung seines umstrittenen Kunstwerks.

 Die Begeisterung für die Botschaften des Friedens auf den liebevoll inszenierten Karten an der Kölner Klagemauer lässt ihn auch bei seiner Rückkehr nicht los. Seinen Entschluss auch hier eine Klagemauer zu errichten, setzt er im Juni 1992 auf der Friedensversammlung in Fukuoka, seiner jetzigen Heimatstadt, nördlich von Nagasaki, in die Tat um.

Seit dieser Zeit ist er ständiger Gast und Redner am 9. August am Hiroshima-Gedenktag in Köln auf der Domplatte. Unterbrochen nur in den Jahren 1996 und 1997, als er sich einer schweren Krebsoperation unterziehen musste, an deren Folgen er noch heute leidet.

 Ein zentrales Anliegen des Zeitzeugen Kazuo Soda ist es, möglichst viele Menschen dazu zu bewegen, den Appell von Hiroshima und Nagasaki für die Ächtung und Abschaffung aller Atomwaffen zu unterzeichnen.

 Er sucht bei seinen Reisen durch viele Länder weltweit den Kontakt zu den Menschen, insbesondere zu den Jugendlichen, deren Wahrnehmung für die Gefahr er schärfen will. Er besucht Schulen, Universitäten und Friedensgruppen und spricht auch über seinen persönlichen Leidensweg. Inzwischen wurden nur aus der Stadt Köln über 200 000 Unterschriften nach Japan gesandt. Diese Unterschriften werden weiter geleitet an die Präsidenten der Länder, die immer noch, schon wieder oder gerade erst die Menschen mit Atomversuchen in Angst und Schrecken versetzen.

 Noch immer peinigen Kazuo die schrecklichen Erinnerungen an den 9. August 1945, an dem seine damalige Heimatstadt Nagasaki von einem Feuerball überrollt und verstrahlt wurde.

Die Wunde seiner Seele blutet noch.

Hiroshima-Kundgebung auf der Domplatte in Köln am 6.August 2011 mit Rede von Kazuo Soda

Berichterstattung in der NRhZ zum Aufenthalt von Kazuo Soda in Köln http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=16818

Fotos: Sabine Winter, Königswinter
Berichterstattung auf Vorarlberg Online über die Teilnahme von Kazuo Soda an einer Gedenkfeier in Wien

http://www.vol.at/nagasaki-ueberlebender-bei-gedenkfeier-in-wien/news-20110810-10320202

PRO ASYL und Heiko Kauffmann
Preisträger Heiko Kauffmann während der Laudatio von Lea Rosh Foto: www.arbeiterfotografie.de

Alljährlich fliehen mehr als 22.000.000 Menschen. Sie sind auf der Flucht vor Bürgerkriegen in ihrer Heimat, vor zwischenstaatlicher Gewalt, ethnischer Verfolgung, Folter und Tod. 1.200.000 Menschen stellen irgendwo auf der Welt einen Asylantrag. In der Bundesrepublik Deutschland waren es im vergangenen Jahr gerade einmal 78.760 Menschen. Das sind 6.6% aller Asylsuchenden! Bezogen auf die deutsche Bevölkerung von 80.000.000 waren es lediglich 0.098%.

Das westliche Europa ist inzwischen zur Wagenburg ausgebaut. Weit außerhalb ihrer Grenzen werden Flüchtlinge und Asylsuchende mit fast allen Mitteln abgefangen und durch diese Drittstaaten wieder in ihre Heimatländer abgeschoben. Dabei wird auch der Tod von Menschen in Kauf genommen.

 In der Bundesrepublik selbst wurde das Grundrecht auf Asyl durch die Änderung des Artikel 16 GG 1993 drastisch eingeschränkt. Abschiebehaft wurde selbst gegen Kleinkinder verhängt, Flüchtlinge töten sich aus Angst vor der Abschiebung in der Gefängniszelle. Flughafenregelung, Abschiebehaft, Residenzpflicht (d. b. bei Strafe den Wohnort nicht verlassen zu dürfen!) und Asylbewerberleistungsgesetz sind Stichworte einer gnadenlosen Asylpraxis geworden. Die neuerliche öffentliche Diskussion der PolitikerInnen in unserem Land um die Quotierung von Zuwanderung und die Forderung nach einer weiteren Restriktion des Asylrechts ist vor diesem Hintergrund beschämend und heuchlerisch. Sie ist aber auch gleichzeitig wesentliche Ursache des wachsenden Rechtsradikalismus und der Fremdenfeindlichkeit in der Bundesrepublik Deutschland.

 Unsere Gesellschaft benötigt daher notwendiger denn je Organisationen wie PRO ASYL. Diese ist nicht nur der Spiegel, in dem wir das Menschen verachtende und gnadenlose Verhalten staatlicher Institutionen gegenüber flüchtenden, notleidenden und hilfesuchenden Menschen reflektieren können, sie belässt es nicht nur dabei, mahnend ihre Stimme zu erheben, sondern sie versucht auch mit ihrer täglichen Arbeit den geschilderten Tendenzen mit konkreter Hilfe entgegenzuwirken. Unermüdlich tritt sie für den Schutz der Flüchtlinge und Asylsuchenden ein.

 Seit der Gründung veranstaltet PRO ASYL in der Woche der ausländischen Mitbürger einen Flüchtlingstag. Dafür werden Materialien erstellt, die jedes Jahr mit den Plakaten und Heften für die Interkulturelle Woche an Kirchengemeinden, Wohlfahrtsorganisationen, Gewerkschaften, Kommunen und Bürgerinitiativen verschickt werden. Hunderte Veranstaltungen finden inzwischen jährlich zum Flüchtlingstag statt.

Ein weiterer Schwerpunkt wurde die Erarbeitung von Stellungnahmen zu Asylfragen. Das Konzept ist, die Stellungnahmen über die großen Verbände zu verbreiten. Sie wurden und werden teilweise gemeinsam mit dem DGB, Menschenrechtsorganisationen, Wohlfahrtsverbänden oder kirchlichen Stellen herausgebracht. Die Herausgabe von Schriftenmaterial wird begleitet durch eine intensive Öffentlichkeitsarbeit. Schließlich wurde der Aufbau von regionalen und kommunalen Flüchtlingsräten gefördert, seit 1990 auch in den neuen Bundesländern. Heute gibt es in allen Bundesländern Flüchtlingsräte bzw. Initiativen, die bei PRO ASYL  mitarbeiten und konzeptionell wie finanziell unterstützt werden.

 PRO ASYL ist ein eingetragener Verein, der heute etwa 10.000 Mitglieder, Unterstützer und Förderer zählt. Er wurde am 8. September 1986 gegründet. Günter Burkhardt wurde gebeten, die Geschäftsführung wahrzunehmen. Victor Pfaff (federführend), Wolfgang Grenz und Herbert Leuninger übernahmen die Aufgaben eines Sprecherrates. Jürgen Micksch nahm das Amt des Leiters bei den Sitzungen des Flüchtlingsrates wahr. Als Nachfolger von Herbert Leuninger wurde im Herbst 1994 Heiko Kauffmann als Sprecher gewählt.

 Heiko Kauffmann, in Berchtesgaden geboren, studierte in Marburg Sozialwissenschaften, Psychologie und Pädagogik und schloss sein Studium mit einer Arbeit über Gewalt und Überwindung von Gewalt als Diplom-Pädagoge ab. Bereits während seiner Studentenzeit engagierte er sich bei amnesty international auf dem Gebiet der Flüchtlingsarbeit. Er wurde Mitglied des Bundesvorstandes. Heiko Kauffmann stieß damals die Diskussion der präventiven Menschenrechtsarbeit bei amnesty international an, die sich später auch durchsetzte. Daneben war er auch in der Friedensbewegung aktiv.

Von 1979 bis 1994 war Kauffmann hauptamtlicher Mitarbeiter bei terres des hommes. Unter dem Eindruck der ersten Übergriffe gegen Flüchtlingswohnheime war es seine Aufgabe, die Inlandsarbeit der Organisation aufzubauen.

Er ist maßgeblich an der Gründung von PRO ASYL beteiligt. Er nahm auch die Aufgabe des ständigen Mitglieds im Sprecherrat von PRO ASYL für terres des hommes wahr. Als eines seiner wichtigsten Ziele, verfolgt Heiko Kauffmann die Vernetzung von möglichst vielen Organisationen und Initiativen, um eigenständige unabhängige Arbeit für Frieden, Flüchtlinge und Asylsuchende zu verstärken und eine unabhängige Kraft in unserer Gesellschaft aufzubauen.

 Mit seinem persönlichen unermüdlichen Einsatz für die ärmsten Menschen gegen viele Widerstände, gibt er ein herausragendes Beispiel für Frieden und Völkerverständigung. Er macht damit jenen Mut, die wie er versuchen, mit ihrer täglichen Flüchtlingsarbeit zu helfen.

 Heiko Kauffmann und PRO ASYL gehören zu den unbeirrbaren Mahnern, zu jenen, die neue und stabile europäische Schutzstandards für Asylsuchende fordern. Dieses Engagement wollen wir mit der Verleihung des Aachener Friedenspreises besonders hervorheben, stärken und unterstützen. Nur durch eine breite öffentliche Debatte für Menschen in Not können wir ein Menschen würdiges Asylrecht zurückgewinnen.