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Der Aachener Friedenspreis 2003 wurde verliehen an
Nabila Espanioly und Reuven Moskovitz (Israel)
und die Initiative Ordensleute für den Frieden (Deutschland)

v.l.n.r.: Johanna Müller, stellv. Vorsitzende des Aachener Friedenspreis e.V., Reuven Moskovitz, Sr. Angela Kruppa, Gerhard Diefenbach, Vorsitzender des Aachener Friedenspreis e.V., Markus Fuhrmann, Nabila Espanioly. Foto: Michael Klarmann

Der Aachener Friedenspreis 2003 wurde den Israelis Reuven Moskovitz und Nabila Espanioly sowie der deutschen Initiative Ordensleute für den Frieden (IOF) verliehen. Die Preisverleihung fand am 1. September in Aachen statt. Den internationalen Preis erhielten Reuven Moskovitz und Nabila Espanioly, zwei Hoffnungsträger auf dem Weg zu Versöhnung und Frieden zwischen Juden und Palästinensern. Sie schweigen nicht zu den Menschenrechtsverletzungen vor Ort, vor denen wir in Europa nur zu gerne die Augen verschließen. Ihr unermüdlicher Einsatz zielt auf ein friedliches Zusammenleben der beiden tief verletzten Völker.

Nabila Espanioly (Israel)

Friedensaktivistin

Nabila Espanioly, 1955 in Nazareth geboren, ist Palästinenserin mit israelischem Pass, sie hat in Bamberg Psychologie studiert und ist Diplom-Psychologin. Sie ist seit 25 Jahren in der israelischen Friedensbewegung aktiv. Ihr Anliegen ist es, palästinensische und jüdische Frauen in ihrem Wunsch nach Frieden zusammenzuführen.


Begründung für die Friedenspreisverleihung

Obwohl alle Frauen einen israelischen Pass haben und in Israel leben, gibt es im Alltag kaum Begegnungsmöglichkeiten. Sie gründete die Gruppe "Jüdisch-arabische Frauen für den Frieden" und ist Vorsitzende der palästinensisch-jüdischen Frauengruppe für Menschenrechte, Mozavar. Friedenspolitik, Frauenförderung und frühkindliche Erziehung gehören für sie untrennbar zusammen. 

Außerdem koordiniert sie Plakataktionen und entwirft zur Veröffentlichung in der Presse Aufrufe der verschiedenen Frauengruppen gegen den Krieg. Sie ist an den Vorbereitungen der großen Demonstrationen in Tel Aviv beteiligt und leitet, gemeinsam mit Reuven Moskovitz, Solidaritätsprogramme der Frauengruppen, um die eingeschlossenen Palästinensern in der Westbank und in Gaza mit Lebensmittel und Spielzeug zu versorgen Dabei geht es auch darum, der wachsenden Hoffnungslosigkeit entgegenzuwirken. Bei diesen Transporten kam es in der letzten Zeit an den Check Points wiederholt zu Auseinandersetzungen mit der israelischen Armee. Die Begleiterinnen der Transporte, auch Nabila selbst, wurden geschlagen und mit Tränengas auseinandergetrieben. Sie koordiniert aktuell auch finanzielle Unterstützung der Familien in der Westbank und in Gaza, die aufgrund der politischen Lage ohne festes Einkommen sind.

Friedenspolitik, Frauenförderung und frühkindliche Erziehung gehören für Nabila Espanioly untrennbar zusammen. Die palästinensische Bevölkerung in Israel ist nicht gleichberechtigt und einer zunehmenden Diskriminierung in allen Lebensbereichen ausgesetzt. Besonders die palästinensischen Frauen in Israel stehen bei der Vergabe von Arbeitsplätzen an letzter Stelle. Die traditionellen Arbeitsplätze in der Landwirtschaft gibt es seit der Vertreibung 1948 und den Enteignungen in den folgenden Jahren nicht mehr. Nur noch 2% des Landes ist im Besitz der Palästinenser. Da die landlosen palästinensischen Männer nun überwiegend als ungelernte Arbeiter mit geringem Einkommen beschäftigt sind, ist die Mitarbeit der Frauen dringend erforderlich. Es fehlt aber an Kindergartenplätzen. Während 95,4% der jüdischen Kinder einen Kindergarten besuchen, steht ein solcher Platz nur für 36% der palästinensischen Kinder in Israel zur Verfügung. Auch die Ausstattung der Kindergärten und Schulen für palästinensische Kinder in Israel ist unzureichend. Die vom israelischen Erziehungsministerium herausgebrachten Kinderbücher und Spielmaterialien, erscheinen auf Hebräisch, gehen von jüdischen Lebensverhältnissen aus und berücksichtigen nicht die Sprache und das kulturelle Erbe der Palästinenser. Die Stärkung einer palästinensischen Identität ist deshalb für Nabila Espanioly unerlässliche Grundlage einer multikulturellen Gesellschaft in Israel.

Das gesellschaftliche Ungleichgewicht sieht Nabila Espanioly durch die Gründung der von ihr geleiteten Nazareth Nurseries Institutes positiv verändert. Es ist eine nicht-profitorientierte ehrenamtliche Frauen-Organisation, die 1984 gegründet wurde. Das erste Projekt war die Gründung einer Kinderkrippe. 1989 wurde dann das frauenpädagogische Zentrum „Al Tufula“ (Kindheit) ins Leben gerufen. Hier können sich palästinensische Frauen aus den Dörfern zu Erzieherinnen ausbilden lassen, nicht nur um einen Beruf, sondern auch um Management zu erlernen und Selbstbewusstsein zu erwerben. In den Ausbildungsplan wurde auch tradiertes Wissen der Frauen aufgenommen. Dadurch lernen die Frauen ihre eigenen Werte, Kenntnisse und Fähigkeiten schätzen. Das Institut klärt außerdem auf über die staatsbürgerlichen Rechte und gibt Hilfestellung bei deren Durchsetzung. Die Finanzierung der Projekte ist sehr schwierig, da Israel kein Entwicklungsland ist und deshalb keine Gelder der Entwicklungshilfe zur Verfügung gestellt werden können. Das Institut ist deshalb auf Spenden aus dem Ausland angewiesen.

 

Reuven Moskovitz (Israel)

Friedensaktivist

Reuven Moskovitz wurde 1928 in Rumänien geboren, überlebte den Holocaust und wanderte 1947 nach Palästina ein. Seit fast 40 Jahren warnt er vor der Gefahr des eskalierenden Terrors und Gegenterrors im Nahen Osten.

Sehr früh engagierte er sich in der israelischen Friedensbewegung und wurde nach dem Sechstagekrieg 1967 Sekretär der Bewegung "Für Frieden und Sicherheit", die sich gegen die Annexion der besetzten Gebiete und für eine sofortige Lösung des Flüchtlingsproblems, die gegen-seitige Anerkennung Israels und der arabischen Staaten sowie das Recht der Palästinenser auf Selbstbestimmung einsetzte.

Er ist Mitbegründer des 1972 gegründeten Friedensdorfes Neve Shalom/ Wahat al Salam in Israel, in dem Juden und Palästinenser zusammen leben und in ständigem Dialog das friedliche Zusammenleben einüben.

2001 wurde Moskovitz mit dem Mount Zion Award ausgezeichnet.

 

 

Vortrag von Reuven Moskovitz in Solingen über den Konflikt zwischen Israel und Palästina

Am 30. Juni 2011 hat Reuven Moskovitz  sein Buch „Der lange Weg zum Frieden“ mit einem Vortrag im Kunstmuseum Baden vorgestellt.

Link zum Artikel, der unten als Scan zu sehen ist.

 

Brief Reuven Moskovitz' vom 31. Januar 2013

Der abgedruckte Brief von Reuven Moskovitz wird in verschiedenen Bezugnahmen nicht vom Vorstand des Aachener Friedenspreises mitgetragen.

Wir drucken ihn als Meinungsäußerung eines Friedenspreisträgers und als Diskussionsbeitrag ab.

ReuvenMoskovitz_Jan2013.pdf

 

 

Initiative „Ordensleute für den Frieden“

Friedensorganisation

Die Initiative „Ordensleute für den Frieden“ besteht aus katholischen Ordensleuten, evangelischen wie katholischen Nicht-Funktionsträgern und auch Nichtchristen. Seit den Protesten gegen den NATO-Raketenbeschluss vor 20 Jahren engagiert sich die Initiative für Frieden und Abrüstung und thematisiert zugleich das kapitalistische Wirtschaftssystem als Quelle dauernder Ungerechtigkeit und Ausbeutung. Spektakuläre Aktionen zivilen Ungehorsams gehören zu ihren erprobten Methoden.

Über mehrere Jahre hielt die Initiative Mahnwachen vor der Cruise-Missile-Basis in Hasselbach. Dabei erkannte sie, dass Frieden nicht allein in der Abwesen-heit von Krieg besteht, sondern, dass Gerechtigkeit und Teilhabe aller Menschen an den Gütern der Erde notwendige Voraussetzung und Grundlage für Frieden sind.

Die „Ordensleute für den Frieden“ protestieren seit vielen Jahren regelmäßig gegen die Verantwortlichen der Schuldenkrise mit Mahnwachen vor der Deutschen Bank. Dabei kamen sie zu der Erkenntnis, dass letztlich der Kapitalismus in der westlichen Welt mitverantwortlich ist für Gewalt und Krieg. Die Vermehrung der Geldvermögen durch Zins und Zinseszins und die Gewinnmaximierung um jeden Preis bewirken, dass nicht mehr für die Menschen produziert wird, sondern dass die Menschen nur noch gebraucht werden, soweit die Wirtschaft ihrer bedarf.

Die Initiative macht ihre Kritik am kapitalistischen Wirtschaftssystem in seiner augenblicklich herrschenden Form sinnfällig deutlich. Sie glaubt, dass sie keine Theorie mehr entwickeln muss, sondern sowohl innerhalb der christlichen Kirchen wie auch außerhalb kein „Theoriedefizit“ herrscht, wohl aber ein Defizit bei der Öffentlichmachung dieser Kritik. Darum bemüht sie sich um sinnfällige Zeichen für diese Kritik. Aktionen zivilen Ungehorsams sind dabei nicht das Ziel, sondern eine mögliche Methode.

Ihre intensive und engagierte Friedensarbeit sowie das gewaltfreie Eintreten für soziale Gerechtigkeit sind ein nachahmenswertes Beispiel in einer Zeit, in der Gewalt vor allem als Fortsetzung gescheiterter Politik gesehen und praktiziert wird. Ihr Mut, in persönlichen Aktionen den Ursachen von Krieg und Gewalt und ihren Protagonisten öffentlich entgegenzutreten, sowie ihre Bereitschaft, die Folgen ihres Handelns durch Gefängnisstrafen zu erdulden, sind beachtenswert.

Begründung für die Friedenspreisverleihung

Die über zwanzig Jahre währende intensive und engagierte Friedensarbeit sowie das gewaltfreie, mutige Eintreten für soziale Gerechtigkeit sind ein nachahmenswertes und ermutigendes Beispiel in einer Zeit, in der immer nur Gewalt als Fortsetzung gescheiterter Politik gesehen und praktiziert wird. Der Mut sich persönlich in Aktionen den Ursachen von Krieg und Gewalt und ihren Protagonisten öffentlich entgegenzutreten, ist würdig mit dem Friedenspreis geehrt zu werden. Auch die Bereitschaft die Folgen ihres Handelns durch Gefängnisstrafen zu erdulden ist beachtenswert und zeigt die Bereitschaft mit allen friedlichen Mitteln für die gerechte Idee zu kämpfen und darauf aufmerksam zu machen