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Netzwerk Friedenssteuer (Preisträger 1993)

Als Preisträger von 1993 möchten wir Euch zur diesjährigen Preisverleihung herzliche Grüße der Verbundenheit senden. Ihr habt mit den diesjährigen Preisträgern wieder eine stimmige und überzeugende Wahl getroffen. Den Preisträgern wünschen wir von Herzen, dass sie durch die Verleihung ebenso ermutigt und bestärkt werden wie wir selbst vor 20 Jahren, ihre vorbildliche Friedensarbeit unvermindert fortzusetzen.

Wir danken Euch für Eure ermutigende Arbeit und wünschen einen schönen Verlauf des Antikriegstages 2013 in Aachen!

Günther Lott

Ludwig Baumann (Preisträger 1995)

Die diesjährigen Preisträger beglückwünsche ich sehr herzlich. Sowohl die Schule in Dohuk im Nordirak als auch die ‚Schulen ohne Bundeswehr‘. Alle Schulen haben mit ihrem Engagement für Frieden diesen Preis verdient.

Insbesondere die letztgenannten Schulen, die durch Beschlüsse der Eltern, Lehrer, Schüler und Schulkonferenzen die Bundeswehr nicht mehr in ihre Schulen einladen, haben Mut und Courage bewiesen. Das verdeutlicht nicht zuletzt die heftige Kritik von außen, die ihnen seit der Bekanntgabe der Preisverleihung entgegenschlägt. Die teils diffamierende Debatte zeigt, wie wichtig und richtig die öffentliche Auseinandersetzung um Schule und Bundeswehr ist, um eine Militarisierung der Bildung zu verhindern.

Mit dem Aussetzen der Wehrpflicht ist für die Bundeswehr der Druck enorm gewachsen, junge Menschen für die Bundeswehr zu rekrutieren. Jugendoffiziere drängen vermehrt in Schulen und andere Bildungseinrichtungen, um junge Menschen für eine ‚Karriere bei der Bundeswehr‘ zu gewinnen. Aber das Soldatsein ist kein ‚Job‘ wie jeder andere, sondern bildet Menschen zum Verletzen und Töten anderer Menschen aus. Wer das verschweigt, täuscht sich und andere. Die Bundeswehr hat keinen Bildungsauftrag, gehört infolgedessen nicht an Schulen.

Als Wehrmachtdeserteur habe ich nach Todeszelle und KZ im Strafbataillon an der Ostfront den deutschen Vernichtungskrieg miterleben müssen. – Was haben wir denn aus unserer Geschichte gelernt, wenn wir heute wieder Kriege führen. Was haben wir denn am Hindukusch militärisch zu verteidigen? Was wäre denn, wenn die ausgebeuteten armen Länder stärker wären und sie würden ihre Interessen bei uns militärisch verteidigen?

Wir in diesem reichen Land, von keinem bedroht und mit unserer Geschichte sind aufgerufen zu gewaltfreiem Handeln – sich einzusetzen für Gerechtigkeit, das Leben und den Frieden.

Darum danke ich den Mitgliedern des Vereins Aachener Friedenspreis, die den Mut hatten, diese Thematik „Schulen ohne Bundeswehr“ aufzugreifen und in die Öffentlichkeit zu tragen. Auch um jenen Mut zu machen, die so in der Kritik stehen. Letztlich ist dies aber auch ein Signal an andere Schulen, ihnen zu folgen.

Ludwig Baumann

Heiko Kauffmann, Pro Asyl (Preisträger 2001)

Liebe Tina Terschmitten,
liebe Freundinnen und Freunde des Aachener Friedenspreises,
liebe PreisträgerInnen 2013,

leider bin ich durch einen sehr hartnäckigen Bandscheibenvorfall gehindert, in diesem Jahr zur Preisveleihung nach Aachen zu kommen.

So möchte ich nicht versäumen, Ihnen wenigstens auf diesem Weg meine allerherzlichsten Glückwünsche zu Ihrer Wahl zu übermitteln. Gerade die aktuellen Herausforderungen dieser Tage zeigen uns erneut, wie wichtig, unentbehrlich und unverzichtbar die Arbeit der sozialen Bewegungen und zivilgesellschaftlichen Gruppen für Frieden, soziale Gerechtigkeit, Menschenrechte und Demokratie ist.

Nur, wenn wir der Politik gemeinsam „auf Augenhöhe“ begegnen, sie hartnäckig und mit langem Atem „resozialisieren“, gleichzeitig die Öffentlichkeit und die Menschen von der Notwendigkeit humaner Veränderungen überzeugen, werden wir diese Ziele gemeinsam erreichen können.

In diesem Sinne lassen Sie uns weiterhin gemeinsam menschenwärts für eine humane, friedliche und menschenwürdige Gesellschaft kämpfen!

Mit den besten Wünschen, auch namens PRO ASYL, und herzlichen Grüßen
Ihr Heiko Kauffman
 

Bernhard Nolz (Preisträger 2002)

Herzlich gratuliere ich den drei Schulen zur Verleihung des Aachener Friedenspreises. Mit der Entscheidung für die diesjährigen Preisträger_innen hat der Aachener Friedenspreises erneut sein Gespür dafür bewiesen, die aktuell entscheidenden Fragestellungen zur Sicherung des Friedens aufzuzeigen. Es geht in der Tat z.Z. darum, den weltweiten Ruf der Jugend nach Frieden und Gerechtigkeit zu unterstützen und der Jugend Mut zu machen, sich gegen staatliche Gewalt und Willkür friedlich zur Wehr zu setzen. Krieg und Kriegsdienst sind keine Perspektiven für die Jugend. Die Pädagoginnen und Pädagogen für den Frieden (PPF) sind sich mit Schüler_innen, Eltern und Lehrer_innen in aller Welt einig, dass der Aachener Friedenspreis in diesem Jahr wieder eine gute Wahl getroffen hat.

Bernhard Nolz

Gregor Böckermann, Initiative Ordensleute für den Frieden (Preisträger 2003)

Im Jahre 2003 wurde der „Initiative Ordensleute für den Frieden“ (IOF) der Aachener Friedenspreis verliehen. In diesem Jahr geht der Preis an drei deutsche Schulen, weil Eltern, Lehrer und Schüler in ihren Schulkonferenzen den Beschluss gefasst haben, keine Bundeswehrsoldaten in ihre Schulen einzuladen.

Warum freue ich mich darüber?

Nicht nur weil die Käthe-Kollwitz-Schule aus Offenbach unter den Preisträgern ist, an der Eberhard Enß, Vertrauensmann der GEW, tätig ist, und den ich als engagierten Friedensaktivisten kennengelernt habe.

Auch die inzwischen 30-jährige Geschichte der IOF belegt, dass wir uns über die mutige Entscheidung des Aachener Friedenspreises e.V. freuen können. Die IOF ist ein freier Zusammenschluss von Ordensfrauen und -männern sowie ihrem Freundeskreis. Jahrelang hat die IOF vor der Cruise-Missiles-Basis in Hasselbach (Hunsrück) protestiert. Als die Raketen abgezogen wurden und viele Friedensgruppen dichtmachten, sind die Ordensleute vor die Zentrale der Deutschen Bank in Frankfurt am Main gezogen, einem anderen „Ort des Unheils“. Weltweite Kontakte unserer Ordensgemeinschaften mit den Armen in der sog. 3. Welt und hier bei uns haben uns veranlasst auf die Tatsache aufmerksam zu machen: Ohne Gerechtigkeit für alle Menschen gibt es keinen Frieden.

Die Deutsche Bank ist die größte und mächtigste Geschäftsbank Deutschlands. Sie ist für uns Symbol unserer kapitalistischen Wirtschaftsordnung, mächtiger als unsere Politiker in Berlin. Inzwischen merken wir, dass unsere anfängliche Forderung: „Schuldenstreichung für die 3. Welt“ viel zu kurz gegriffen war. Bei unseren monatlichen Mahnwachen mussten wir nämlich erleben, dass in unserem Rücken hunderte von Drogenabhängigen aus der Taunusanlage verdrängt wurden. Dann kamen die Obdachlosen unter den Mainbrücken dran. Und heute wird, wie in vielen Städten, eine „Gefahrenabwehrverordnung“ diskutiert. Wie kriegt man die Innenstädte sauber von „Elementen“, die dort betteln, Bier trinken, den Konsum stören? Wir mussten feststellen: Weltweit geht die Schere zwischen den reichen und armen Nationen immer weiter auf. Die Folgen: Hunger, Kriege, Flüchtlingsströme, Umweltzerstörung. Aber das gleiche spielt sich auch in Deutschland ab.

In unserer eigenen Gesellschaft werden die Reichen immer reicher und die Armen immer ärmer und zahlreicher. Auf Schritt und Tritt ist das in Frankfurt und überall in Deutschland sichtbar: übertriebener Luxus auf der einen, steigende Arbeitslosigkeit und Sozialabbau auf der anderen Seite. Wir meinen, die Ursachen dieser Entwicklung liegen in einem gnadenlosen Kapitalismus, der durch die Verselbständigung und Globalisierung der Finanzströme der letzten Jahre noch übermächtiger geworden ist. Die Bedürfnisse der Armen und der kommenden Generationen haben keinen Platz in diesen Unrechtsstrukturen. Unser Wirtschaftssystem geht über Leichen, weltweit und bei uns.

Logischerweise ist die Bundeswehr heute in diesem kapitalistischen Wirtschaftssystem immer weniger eine Verteidigungsarmee wie vom Grundgesetz vorgesehen. Sie ist vielmehr eine Armee im Einsatz und dient den Interessen der Superreichen und der Wirtschaft, wie der „Sicherung der Rohstoff- und Warenströme, der Transportwege“ und vielem mehr – so als offizielle Regierungspolitik festgeschrieben im Weißbuch der Bundesregierung im Jahre 2006.

Daher meine Freude über die diesjährigen Preisträger, die ein mutiges Zeichen des Widerstandes gegen die vorherrschende Meinung in der Öffentlichkeit gesetzt haben.

Gregor Böckermann