Sitemap • Impressum 

Dokumente zur Vereins-Geschichte

Entstehung_des_Aachener_Friedenspeises.pdf

Seminararbeit

Wie kam es zur Entstehung des Aachener Friedenspreis

Der Aachener Friedenspreis e.V. entstand aus der Friedensbewegung der 80er Jahre, die sich vor allem gegen die Stationierung von Pershing-II-Raketen und Cruise missiles auf dem Territorium der Bundes-republik richtete. Die Bewegung erreichte im Stationierungsjahr 1983 ihren Höhepunkt, zerfiel danach aber nicht gleich. Dennoch begannen ab Mitte der achtziger Jahre vielerorts Überlegungen, wie die Bewegung mit neuen Inhalten und eventuell neuen Organisationsformen zu beleben sei.


In Aachen mit seinen 250.000 Einwohnern existierten zeitweise bis zu 30 Friedensgruppen, die sich im „Aachener Friedensforum“ zusammengeschlossen hatten und alle Altersgruppen und unterschiedliche Berufsgruppen repräsentierte. Das Friedensforum hatte Bestand bis 1989.

 

Dass man in Aachen bei Überlegungen über eine Neuausrichtung der Friedensbewegung auf eine Preisverleihung kam, ist nicht so ungewöhnlich, wie man das von außen vermuten könnte. In Aachen gibt es schließlich seit 1949 den Karlspreis der Stadt Aachen, der vor allem an konservative Politiker verliehen wird, die sich nach Einschätzung des Karlspreisdirektoriums um die Einheit Europas verdient gemacht haben.

Erste Friedenspreis-Überlegungen datieren vom 20.7.1986!  Dieses Datum ist insoweit von Belang, als es noch knapp zwei Jahre bis zur Gründung des Aachener Friedenspreis e.V. dauern sollte und ein anderes Datum stärker in den Vordergrund der öffentlichen Wahrnehmung trat:

 

Im Mai 1987 wurde der Karlspreis an Henry Kissinger verliehen. Mit der Preisträgerbekanntgabe um die Jahreswende 1986/87 brach eine heftige Auseinandersetzung in Aachen um den Karlspreis und seinen damaligen Preisträger aus. Kissinger wurde vor allem vorgeworfen, am blutigen Putsch der Militärs in Chile beteiligt. Aus Protest traten die Stadträte von SPD und Grünen aus dem Karlspreisdirektorium aus.

 

Natürlich gab diese Karlspreis-Debatte den Friedenspreis-Überlegungen deutlich Auftrieb! Zugleich gab es aber auch wichtige Stimmen, die davor warnten den Friedenspreis zu einem Anti-Karlspreis zu machen.

Man musste sich als Friedenspreis definieren d.h. klären was und wer wofür ausgezeichnet werden sollen ohne als „Gegenpreis“ zum Karlspreis angesehen zu werden. Sehr frühzeitig war klar, dass man im Unterschied zum Karlspreis Preisträger suchte, die sich von unten für den Frieden einsetzen! Vorbilder, die herausgehoben werden sollen aus der namenlosen Masse, um dem Frieden ein Gesicht zu geben. Der Friedenspreis soll zeigen, dass „man“ besonders in einer Gruppe seine Ziele und Wünsche für ein friedliches Zusammenleben verwirklichen kann. Außerdem musste der Preis auf ein solides finanzielles und rechtliches Fundament gestellt werden und möglichst im Vorfeld über eine ausreichende Anzahl an Unterstützern verfügen.

 

Mit all diesen zu klärenden Punkten beschäftigte sich der Arbeitskreis „Aachener Friedenspreis“, der in seinen Sitzungen vorwiegend folgende Stichpunkte erläuterte: Was ist Frieden? Wer setzt sich für den Frieden ein? In welcher Form soll die Preisverleihung stattfinden? Der Aufbau des Friedens „von unten“ sollte das Leitmotiv des Friedenspreises werden.

Zum Tag der Preisvergabe wurde der 1. September, der Antikriegstag ausgewählt. An diesem Tag wollte man die Aufmerksamkeit der Bevölkerung auf das Thema Frieden lenken, gleichzeitig den Bekanntheitsgrad der Preisträger steigern und das Interesse für ihr Engagement fördern.

 

Am 7. Mai 1988 war es dann soweit. Der Verein Aachener Friedenspreis wurde von 45 Personen gegründet. Die Aufnahme des Aachener Friedenspreis e.V., mit der am 7. Mai 1988 beschlossenen Satzung, in das Vereinsregister der Stadt Aachen wurde offiziell am 30. Juni 1988 beurkundet.