Palestinians and Jews for Peace
Solidarisch für Empathie und gegen das Schwarz-Weiß-Denken
Die Gruppe Palestinians and Jews for Peace (PJFP) wurde im Oktober 2023 als Reaktion auf die eskalierende Gewalt im Nahen Osten nach dem 7. Oktober gegründet. Die beiden jungen Initiatorinnen Zeynep Karaosman und Kristina Bublevskaya haben palästinensische und jüdische Wurzeln. Ihre rein ehrenamtlich arbeitende Gruppe besteht aus palästinensischen, jüdischen und weiteren solidarischen Freund*innen aus Köln und Umgebung. Ausgehend von feministischen, emanzipatorischen Werten setzen sie sich für einen differenzierten Dialog und einen mitfühlenden, respektvollen Umgang zwischen jüdischen und palästinensischen Menschen ein.
Ziel und Motivation der Gruppe ist das Verändern der Erzählung – changing the Narrative – weg von der aktuell oft vereinfachten, polarisierten Darstellung des Nahostkonflikts, der Gegenüberstellung von „Tätern“ und „Opfern“ und der Reduzierung auf „Juden vs. Palästinenser“. Stattdessen zeigen sie auf, wie vielfältig und komplex die Realitäten, Erfahrungen und Perspektiven tatsächlich sind. So setzen sie sich mit Aktionen und Öffentlichkeitsarbeit für eine differenziertere Berichterstattung, für konstruktiven Dialog und gegen Stereotype ein.
Die Initiative betont, dass es innerhalb beider Gemeinschaften unterschiedliche Meinungen, Leidenserfahrungen und Friedenswünsche gibt – und dass nicht alle Jüd*innen oder Palästinenser*innen eine einheitliche Haltung vertreten. Durch persönliche Begegnungen, Gespräche und das Teilen individueller Geschichten schaffen sie einen respektvollen, mitfühlenden Umgang miteinander, fördern Empathie und Verständnis und ermöglichen gemeinsames Lernen zu Diskriminierung. PJFP öffnen Räume für Solidarität und zeigen, dass gemeinsame Forderungen nach Frieden, Gerechtigkeit und Menschenrechten möglich sind – auch über scheinbar unversöhnliche Grenzen hinweg.
Sie fordern ein stärkeres Hinterfragen Medialer und politischer Einseitigkeit und kritisieren die öffentliche Debatte der meist extremen Positionen. Um eine differenziertere Berichterstattung zu erreichen, fordern sie mehr Aufmerksamkeit für marginalisierte Stimmen. Ihre Verbindung von Friedensarbeit mit feministischen Werten macht sichtbar, wie wichtig marginalisierte Stimmen – insbesondere von Frauen und queeren Menschen – sowohl in Friedensprozessen selbst als auch in der Berichterstattung darüber sind.
Ihre Demonstrationen finden seit dem ersten Aufruf bewusst ohne Fahnen statt, damit Aktionen zugleich Orte der gemeinsamen Trauer über das Leid aller Menschen im Nahen Osten sein können. Um zu zeigen, „dass es unendlich viel mehr gibt, als nur zwei Seiten und der Kampf gegen Faschismus, Rassismus und Antisemitismus immer auch mit sich selbst ausgetragen werden muss“, stellen PJFP regelmäßig andere Aktivist*innen und Gruppen vor, die vielfältige Perspektiven wertschätzen. So multiplizieren sie ihren solidarischen und allparteilichen Ansatz weit über die eigene Gruppe hinaus und in die breite Öffentlichkeit hinein.
Bereits in ihrer Gründungserklärung schrieb die Gruppe:
Wir haben genug von Schuldzuweisungen. Wir haben genug von rassistischen und antisemitischen Narrativen. Wir haben die Nase voll von Leuten, die uns sagen, wie wir als „echte“ Palästinenser*innen, Israelis und Juden zu sein haben. Wir sind hier, um unsere Räume zurückzuerobern und laut zu sein! Wir sind hier, um zuerst das Narrativ in Deutschland zu ändern. Wir sind hier, um Druck auf deutsche Politiker*innen auszuüben, damit sie ihre rassistischen, antisemitischen und anti-arabischen Diskurse und Praktiken beenden. Wir sind hier, um zu zeigen, dass es anders geht und dass Gewalt und Repressionen keine Alternative zum Dialog sind. Nicht hier und nicht in Israel und Palästina. Wir sind hier, um den Weg zum Frieden in Palästina und Israel zu ebnen.
Aus diesem Selbstverständnis heraus mischen sich PJFP mit differenzierten Positionen ein, etwa mit einem offenen Brief zur Stadtbilddebatte und einem Interview zur Unterstützung des Schulstreiks gegen eine neue Wehrpflicht. Auch den Besuch des aktuellen syrischen Machthabers Ahmed al-Scharaa kritisierten sie in einem Redebeitrag auf einer Demonstration in Bonn scharf, da dieser eine Vorgeschichte als IS-Angehöriger hat.
Der Aachener Friedenspreis möchte die wohltuend differenzierte Haltung der Palestinians and Jews for Peace würdigen und gemeinsam mit den jungen Aktivist*innen gegen das Schwarz-Weiß-Denken aufstehen. Sie sind mutige Brückenbauer*innen in polarisierten Zeiten und bieten ein lebendiges Beispiel für konstruktive Konfliktbewältigung – gerade in einer Zeit, in der der Nahostkonflikt auch in Deutschland zu Spaltungen führt und ein Gefühl der Ohnmacht um sich greift. Ihre Arbeit inspiriert Andere, sich für Dialog und Gerechtigkeit einzusetzen. So würdigt die Auszeichnung mit dem Aachener Friedenspreis nicht nur die Gruppe selbst, sondern setzt auch ein Zeichen für die Kraft des Dialogs, die Bedeutung von Basisengagement und die Notwendigkeit neuer Wege im Umgang mit Konflikten. PJFP verdienen Anerkennung, weil sie Hoffnung machen – und Hoffnung ist in diesen Zeiten besonders wertvoll.
website der Initiative: https://palestiniansandjewsforpeace.wordpress.com/