Aachener Friedenspreis 2026: Solidarisch für Empathie, gegen Schwarz-Weiß-Denken, staatliche Willkür und die Militarisierung des Alltags
Am 8. Mai, dem Tag der Befreiung, an dem vor nunmehr 81 Jahren der Zweite Weltkrieg zuendeging, gab der Aachener Friedenspreis e.V. seine von der Mitgliedschaft gewählten Preisträger*innen für das Jahr 2026 bekannt. Die Auszeichnung geht dieses Jahr an die junge Initiative Palestinians and Jews for Peace (PJFP) aus Köln sowie die Organisation Unidos MN und das Kollektiv von The Smitten Kitten, die gemeinsam den gewaltfreien Widerstand der Zivilgesellschaft in Minneapolis/USA gegen die massiv eskalierte staatliche Gewalt durch die Bundesbehörde ICE und die sogenannte „Operation Metro Surge“ verkörpern.
Mit Empathie und Differenziertem Blick gegen das Schwarz-Weiß-Denken
PJFP wurde im Oktober 2023 als Reaktion auf die eskalierende Gewalt im Nahen Osten nach dem 7. Oktober gegründet. Die rein ehrenamtlich arbeitende Gruppe besteht aus palästinensischen, jüdischen und weiteren solidarischen Freund*innen. Ausgehend von feministischen, emanzipatorischen Werten setzen sie sich für einen differenzierten Dialog und einen mitfühlenden, respektvollen Umgang zwischen jüdischen und palästinensischen Menschen ein.
Sie wollen das öffentliche Narrativ über den Nahostkonflikt verändern, weg von Polarisierung, der Gegenüberstellung von „Tätern“ und „Opfern“ und der Reduzierung auf „Juden vs. Palästinenser“. Stattdessen zeigen sie auf, wie vielfältig und komplex die Realitäten, Erfahrungen und Perspektiven tatsächlich sind. So setzen sie sich mit Aktionen und Öffentlichkeitsarbeit für eine differenziertere Berichterstattung, für konstruktiven Dialog und gegen Stereotype ein. Mit der Ehrung der Gruppe möchte der Aachener Friedenspreis e.V. ein Zeichen für die Kraft des Dialogs, die Bedeutung von Basisengagement und die Notwendigkeit neuer Wege im Umgang mit Konflikten setzen.
Solidarischer Widerstand gegen Staatsgewalt in Minnesota
Die Organisation Unidos MN und das Team des Community-Hubs/Ladenlokals The Smitten Kitten stehen beispielhaft für den gewaltfreien Widerstand der Zivilgesellschaft in Minneapolis gegen die im Jahr2025/26 massiv eskalierte staatliche Gewalt durch ICE und die sogenannte „Operation Metro Surge“. Seit Ende 2025 sind die Twin Cities Minneapolis und St. Paul Schauplatz einer beispiellosen Inlandsoperation bewaffneter US-Bundesagenten. Was offiziell der Kriminalitätsbekämpfung dienen soll, hat sich zu einer Kampagne der Einschüchterung gegen Migrant*innen und die progressive Stadtgesellschaft entwickelt. Die Erschießungen von Renée Good am 7. und Alex Pretti am 23. Januar 2026 durch ICE-Agenten markieren zwei tragische Höhepunkte der aktuellen Entwicklung.
Während Unidos MN als organisatorisches Rückgrat des Widerstands gegen migrationsfeindliche Ressentiments gegenüber marginalisierten Gruppen aufsteht, zu Aktionstagen für die Einhaltung der Menschenrechte mobilisiert und Menschen zu ihren Rechten fortbildet, steht das Team des queeren Sexshops The Smitten Kitten für radikale Nachbarschaftshilfe durch die Sammlung und Verteilung von Geldspenden, Grundnahrungsmitteln und Windeln für Familien, die sich aus Angst vor Verhaftung nicht mehr auf die Straße trauten. Praktische Solidarität baut hier Feindbilder ab und schafft Vertrauen – denn Frieden bedeutet auch, das Risiko der Repression auf sich zu nehmen, um Schwächere zu schützen.
Gemeinsam zeigen Beide, dass Friedensarbeit im 21. Jahrhundert viele Gesichter hat. Während Unidos MN die organisatorische Kraft und politische Bildung leistet, steht The Smitten Kitten für die unbeugsame Menschlichkeit und die kreative Widerständigkeit der Subkultur. Mit gemeinsamer Zivilcourage stellen sie sich einer hochgerüsteten Staatsmacht mit den Mitteln der Solidarität entgegen. Der Aachener Friedenspreis an Unidos MN und The Smitten Kitten ist ein Signal der internationalen Solidarität an die demokratischen Bewegungen in den USA.