Centro Gaspar Garcia de Direitos Humanos (Zentrum für Menschenrechte Gaspar garcia) (Brasilien)

Foto: MISEREOR

vertreten durch Sozialarbeiter Benedito Roberto Barbosa, genannt Ditto

Das Centro Gaspar Garcia (CGG) entstand im Jahre 1988 aus der Empörung über Gewalt gegen die arme Bevölkerung und strukturelle Ungerechtigkeit in São Paulo. Es ist nach dem nicaraguanischen Priester und Menschenrechtsaktivisten Gaspar Garcia benannt und handelt nach dem Grundsatz: “Ohne soziale Gerechtigkeit gibt es keinen Frieden, ohne Frieden gibt es keine soziale Gerechtigkeit”.

Situation in São Paulo

Die Metropolregion Grande São Paulo ist mit über 21 Millionen Einwohner*innen (Knapp zehn Prozent aller Brasilianer*innen) eine der bevölkerungsreichsten Städte der Welt. Ein dramatischer Mangel an Wohnraum und horrende Mietpreise sind die Folge. Mehr als drei Millionen Menschen leben in São Paulo derzeit in prekären Wohnverhältnissen, über 15.000 sind obdachlos – Tendenz steigend. Immer wieder kommt es seitens der Stadtverwaltung zu Zwangsräumungen und Vertreibungen. Den traurigen Höhepunkt dieser Entwicklungen markiert die Ermordung eines Obdachlosen im Januar dieses Jahres.

 

Favela 21 de Abril auf dem besetzen Grundstück eines ehemaligen Krankenhauses, Sao Paulo, Brasilien; Foto: Florian Kopp / Misereor

Unter der rechts-konservativen Regierung von Jair Bolsonaro fehlt der politische Wille, die Situation der Gewalt und sozialen Ungleichheit strukturell zu verändern. Wegen der Wirtschaftskrise wird die Armutsbekämpfung politisch nicht mehr forciert, Sozialausgaben werden gekürzt, die Rechte der Indigenen beschnitten und die soziale Spaltung im Land verschärft. Die Arbeitslosenzahlen in Brasilien haben sich zwischen 2013 und 2017 verdoppelt. Insbesondere in São Paulo nimmt deshalb die Disparität zwischen dem Wohlstand im Zentrum und der extremen Armut in der Peripherie stetig zu: Die Armen werden immer weiter aus der Stadt herausgedrängt, das Recht auf menschenwürdiges Wohnen marginalisiert.

Rechtlicher Beistand

Das CGG leistet rechtlichen Beistand und sensibilisiert öffentliche Entscheidungsträger*innen. So hat es in den letzten Jahren über 13.000 Familien in prekären Wohnverhältnissen vor den häufig gewaltbegleiteten Zwangsvertreibungenbewahrt. Jährlich betreut das CGG außerdem mehr als 500 Obdachlose sozialpsychologisch. Über das Reintegrationsprojekt Reviravolta wird ihnen der ansonsten nahezu unmögliche Wiedereinstieg in die Gesellschaft und den Arbeitsmarkt ermöglicht. Darüber hinaus bietet das vom CGG gegründete Forum der Straßenhändler*innen eine Anlaufstelle für knapp 2.000 Personen, insbesondere Frauen. Daraus entwickelten sich u.a. drei Verbände, in denen die alltägliche Gewalt und Willkür gegenüber Frauen thematisiert und Verbesserungsvorschläge diskutiert werden. Von dem Engagement profitieren außerdem 120 Müllsammler*innen einer Müllrecycling#Kooperative, die im Übrigen einen wichtigen Beitrag dazu leisten, das große Müllproblem der Stadt zu verringern.

In seiner Geschäftsstelle beschäftigt das CGG derzeit 20 Mitarbeitende. Hinzu kommt die enge Zusammenarbeit mit zahlreichen Personen aus Universitäten, öffentlichen Einrichtungen und Unternehmen. Darüber hinaus gibt es unzählige Unterstützer*innen auf allen Ebenen, die für die zivile Gewaltbearbeitung und Menschenrechtsarbeit des CGG sensibilisiert sind. Benedito Barbosa ist beim CGG als Anwalt für die Bürgerbewegung angestellt. Er ist als Sozialarbeiter der Anwalt der Bewegung für Würdiges Wohnen und betreut insbesondere die Menschen, die einer informellen Arbeit nachgehen. Ebenso engagiert er sich, um Vertreibungen zu verhindern, Landtitel zu erkämpfen, Bleiberechte durchzusetzen und die Selbstverwaltung der Menschen zu unterstützen.

Viele lokale Geldgeber*innen unterstützen das CGG und zeigen damit die gute zivilgesellschaftliche Verankerung der Arbeit. Dazu zählen das Sozialsekretariat der Gemeinde São Paulo sowie die Staatsanwaltschaft von São Paulo. Neben dem Hilfswerk MISEREOR verfügt das CGG über weitere internationale Partner wie Christian Aid und die Ford Foundation. Ein fundamentaler Grundsatz des CGG ist die partnerschaftliche Zusammenarbeit im Sinne des 17. Nachhaltigkeitsziels der Vereinten Nationen. Das CGG ist daher eng mit anderen Nichtregierungsorganisationen, sozialen Bewegungen sowie öffentlichen und kirchlichen Institutionen vernetzt. Nur so kann nach Überzeugung der Aktiven ein gesamtgesellschaftlicher Veränderungsprozess gelingen.

Der Aachener Friedenspreis für CGG

Die Verleihung des Aachener Friedenspreises an das CGG wirft ein Schlaglicht auf soziale Ungleichheit und Menschenrechtsverletzungen. Dies sind nicht allein Probleme der Metropolregion São Paulo. Weltweit sorgen diese beiden Faktoren für Ungerechtigkeit und führen häufig zu gewaltsamen Auseinandersetzungen. Die vergangenen Jahre haben auch in Deutschland gezeigt, dass das Recht, in der Stadt zu leben, keine Selbstverständlichkeit ist. Die Folgen sind in São Paulo täglich sichtbar und das CGG kämpft hiergegen in vorbildlicher Weise. Die Auszeichnung soll Wertschätzung für Menschenrechtsarbeit ausdrücken und das CGG in der Konfliktbearbeitung und seinen Dialogprozessen mit Entscheidungsträger*innen bestärken.

(Bannerbild: MISEREOR)

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Quelle: eRecht24 GbR

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