Aus dem Archiv: September 2020

Aachener Friedenspreis e.V. fordert sofortiges Ende juristischer Schikanen gegen türkische Preisträgerin Eren Keskin

Die Aachener Friedenspreisträgerin des Jahres 2004, Rechtsanwältin Eren Keskin, steht am 9. September erneut in einem Berufungsverfahren in der Türkei vor Gericht. Seit Jahren wird die Menschenrechtlerin aufgrund ihrer Meinungsäußerungen, politischen Stellungnahmen und Veröffentlichungen gerichtlich belangt. Der Aachener Friedenspreis e.V. fordert, das  die juristischen Repressalien gegen Eren Keskin beendet werden und sie ihre Menschenrechtsarbeit ungehindert fortsetzen kann.
Keskin erhielt  wegen ihrer symbolischen Funktion als Chefredakteurin der Zeitung Özgür Gündem über 140 Anklagen, dabei übte sie die Funktion in der Praxis nicht aus und hatte keinen Einfluss auf redaktionelle Entscheidungen. Wie andere Menschenrechtler*innen hatte Eren Keskin sich aus Solidarität für diese Position zur Verfügung gestellt, da die prokurdische Zeitung immer wieder Repressionen ausgesetzt war.
Jetzt werden ihr die Inhalte der erschienenen Artikel zur Last gelegt. Die Anklagen beruhen meist auf Paragraphen des Antiterrorgesetzes. Die Staatsanwaltschaft plädierte sogar dafür, dass sie wegen „Mitgliedschaft in einer Terrororganisation“ verurteilt werden soll. Die in erster Instanz verhängten Strafen übersteigen schon jetzt 16 Jahre bzw. Geldstrafen von insgesamt etwa 75.000 Euro. Zahlreiche türkische Intellektuelle wurden für ähnliche Solidaritätsaktionen mit Geldbußen oder Haftstrafen belegt.

Mit öffentlichen Äußerungen zur türkischen Politik in Menschenrechtsbelangen und zum innerstaatlichen Frieden sowie ihrem besonderen Engagement für verfolgte Frauen hatte Eren Keskin sich bereits vor der Preisverleihung an sie 2004 starken Gefährdungen ausgesetzt. Auch als Mitglied und zeitweise Vorsitzende des IHD Istanbul (Menschenrechtsverein der Türkei) wurde sie vielfach angeklagt. Als Rechtsanwältin vertrat sie vorwiegend Opfer von Menschenrechtsverletzungen. 1997 gründete Eren Keskin zusammen mit anderen Rechtsanwältinnen das Projekt „Rechtliche Hilfe für Frauen, die von staatlichen Sicherheitskräften vergewaltigt oder auf andere Weise sexuell mißhandelt wurden“. Dieses Projekt leistete betroffenen Frauen kostenlosen Rechtsbeistand und unterstützte sie in ihren Klageverfahren gegen die Täter. 

Der Aachener Friedenspreis wird seit 1988 jedes Jahr an Initiativen oder Einzelpersonen verliehen, die sich von unten für Frieden und Dialog zwischen Konfliktparteien einsetzen. Wer den mit jeweils 2.000 Euro dotierten Preis erhält,  entscheidet die Mitgliederversammlung des Vereins. Vorschläge kann aber jeder interessierte Mensch einbringen, egal ob Vereinsmitglied und egal ob aus Aachen oder nicht.

08. September 2020

Themen: Presse

Aachener Friedenspreis e.V. wählt neuen Vorstand

Auf seiner coronabedingt um ein halbes Jahr verspäteten Mitgliederversammlung am 01.09.20 wählte der Aachener Friedenspreis e.V. mit großer Mehrheit ein neues Vorstandsteam. Wie in den letzten Amtszeiten handelt es sich wieder um einen gleichberechtigt arbeitenden Sprecher*innen-Rat ohne die klassisch festgelegten Vorstandsämter. Die personelle Zusammensetzung bleibt im Wesentlichen die Gleiche. Die seit einem Jahr nur noch kommissarisch amtierenden Vorstandsmitglieder Lea Heuser, Benedikt Kaleß, Frank Kress, Christoph Kriescher, Dieter Spoo und Ralf Woelk hatten sich für eine erneute Kandidatur entschieden. Ergänzt wird das seit vielen Jahren eingespielte Team durch Hilde Scheidt. Auch sie war in der Vergangenheit schon einmal Vorstandsmitglied des Vereins.

Alle gewählten Vorstandsmitglieder bekundeten ihre hohe  Motivation und Vorfreude auf die Zusammenarbeit. „Wir wollen unsere wichtige Arbeit fortsetzen und weiterhin Personen und Gruppen in ihrem Engagement für den Frieden bestärken, ihre Aktivitäten begleiten und ihnen öffentliche Aufmerksamkeit und Schutz verschaffen“, so Pressesprecherin Lea Heuser. „Dieser Vorstand ist gemeinsam schon durch viele Krisen gegangen – wir wissen, was wir aneinander haben“, ergänzt sie augenzwinkernd.

Der 1. September als internationaler Antikriegstag ist normalerweise der Termin der alljährlichen Preisverleihung. Da in diesem Jahr wegen der Corona-Pandemie im Frühjahr keine Mitgliederversammlung zur Wahl von Preisträger*innen stattfinden konnte, wurde diese nun am 1. September nachgeholt. Neben dem Vorstand wurden daher von der trotz Pandemie erstaunlich gut besuchten Versammlung auch Preisträger*innen gewählt, die der Verein noch gesondert bekanntgeben wird.

Die diesjährige Preisverleihung wird am internationalen Tag der Menschenrechte, dem 10.12.2020 stattfinden. Über die genauen Modalitäten muss der Vorstand noch entscheiden. Aller Voraussicht nach werden die Preisträger*innen in diesem Jahr nicht leibhaftig anwesend sein. „Es wird ganz anders als sonst. Wir werden in diesem Jahr ein neues, coronataugliches und dennoch würdiges und angemessenes Format wagen“, so Heuser. Der Verein will, sofern dies im Jahr 2021 wieder möglich ist, dann auch den Preisträger*innen von 2020 eine Teilnahme an der dann hoffentlich wieder im gewohnten Rahmen stattfindenden Preisverleihung ermöglichen.

Seit 1988 zeichnet der Aachener Friedenspreis e.V. alljährlich Menschen und Gruppen aus, die an der Basis und oft aus benachteiligten Positionen heraus für Frieden und Verständigung arbeiten. Die Kriterien sind Teil der Gründungserklärung des Vereins“. Geehrt werden vor allem noch unbekannte Projekte oder Personen, die durch die öffentliche Aufmerksamkeit genauso viel Unterstützung erfahren wie durch das Preisgeld von jeweils 2.000 Euro. „Der Friedenspreis gibt guten Initiativen nicht nur einen Bekanntheitsschub sondern schützt bedrohte und in schwierigen Bedingungen arbeitende Gruppen vor Repressionen und Gewalt, indem er Aufmerksamkeit schafft“, erklärt Heuser.

Der Preis ist meist zweigeteilt und geht entsprechend an zwei verschiedene Initiativen oder Einzelpersonen, die sich von unten für Frieden und Dialog zwischen Konfliktparteien einsetzen. Wer den mit jeweils 2.000 Euro dotierten Preis erhält,  entscheidet die Mitgliederversammlung des Vereins. Vorschläge kann aber jeder interessierte Mensch einbringen, egal ob Vereinsmitglied und egal ob aus Aachen oder nicht. Aus den eingehenden Vorschlägen wählt der Vorstand die fünf förderungswürdigsten aus und legt sie der Mitgliedschaft vor. Die Mitgliederversammlung wählt dann die letztendlichen Preisträgerinnen oder Preisträger.

02. September 2020

Themen: Presse