Aus dem Archiv:

Père Antoine Exelmans (Marokko)

Foto: Kirchenkreis Jülich

Die Preisverleihung an Père Antoine Exelmans  können Sie auf dieser Seite verfolgen.

Der französische katholische Priester Père Antoine Exelmans ist seit 3 ½ Jahren in Marokko. In Oujda, direkt an der algerischen Grenze, unterstützt er durch sein Engagement Menschen auf der Flucht. Von dort kommen die weitaus meisten Flüchtlinge ins Land und das Geschäft mit der Migration hat sich etabliert. Flüchtlinge leiden unter Misshandlungen, Gewalt, Erpressung und Menschenhandel. Père Antoine ist der Welt und den Menschen sehr zugewandt. Ohne Anschauung von Herkunft, Geschlecht oder Religion begleitet er insbesondere vulnerable Personen und setzt sich für Gerechtigkeit ein.

Zusammen mit seinem Team bemüht sich Père Antoine, Migrant*innen zu befreien und in Sicherheit zu bringen, die von Kriminellen gefangen gehalten werden. In seinem Gemeindezentrum finden sie eine sichere Notunterkunft, medizinische Versorgung und Beratung. Wenn im Winter das Gemeindezentrum für den Andrang der Schutzsuchenden nicht ausreicht, öffnet er die Kirche selbst als Schlafplatz. Seit 2018 ermöglichen er und sein Team, das Zentrum 24 Stunden jeden Tag im Jahr zu öffnen, damit Flüchtlinge in Not dort jederzeit eine Bleibe und Hilfe finden können.

Berufausbildungsmöglichkeiten für Unbegleitete Minderjährige Flüchtlinge

Foto: Kirchenkreis Jülich

Er unterstützt und berät die Flüchtlinge, wenn sie beim UNHCR einen Asylantrag stellen wollen oder Probleme mit der Botschaft ihres Landes haben. Dazu gehört auch, sie sicher dorthin zu bringen und sicher zurückzuholen. Er kümmert sich um die physische und psychische Gesundung der Vielen, die durch die manchmal jahrelange Flucht mit oft schrecklichen Erlebnissen traumatisiert sind. Bei den Jüngeren setzt er sich dafür ein, sie in das marokkanische Berufsbildungssystem zu integrieren. Im Rahmen eines ökumenischen Projekts half er dabei, für 15 Unbegleitete Minderjährige Flüchtlinge pro Jahr eine Berufsausbildungsmöglichkeit zu schaffen. Als in den ersten vier Monaten des Projekts mehr als 110 Unbegleitete Minderjährige Flüchtlinge um Hilfe baten, nahm er sie auf und sorgte dafür, dass die Kapazitäten für so viele Menschen angepasst wurden. Finanziell holte er Caritas International in Rabat ins Boot und initiierte außerdem ein Team von Freiwilligen, um die jungen Menschen zu unterstützen.

Père Antoine lebt mitten unter den Jugendlichen, begleitet sie, ist stets für sie da und isst mit ihnen, ganz egal woher sie kommen und ganz egal ob sie einer Religion angehören oder nicht. Sein Engagement begründet er mit Matthäus 25: „Ich war hungrig und ihr habt mir zu essen gegeben, ich war nackt und ihr habt mich gekleidet…..“. Exelmans sagt: „Wenn unsere westlichen Gesellschaften Migration und den Islam verstehen wollen, müssen sie zumindest eine Zeitlang in Marokko leben.“ Ihm ist wichtig, sich für die Ärmsten der Armen einzusetzen, die am meisten leiden und keine Stimme haben.

Als Generalvikar (Vertreter des Kardinals und des Erzbischofs von Rabat Cristobal Lopez) arbeitet er auch wissenschaftlich zu Migration und interreligiösem Dialog. Zuvor war er Direktor des ökumenischen Instituts Al Mowafaqa in Rabat, in dem katholische und evangelische Studenten in christlicher Theologie ausgebildet werden, aber auch intensiv den Islam und den interreligiösen Dialog kennenlernen können.

Wie soll der Aachener Friedenspreis Père Antoine Exelmans unterstützen?

Der Aachener Friedenspreis möchte Père Antoine Exelmans und seinen selbstlosen Einsatz würdigen, aber auch erneut das Thema Flucht und Geflüchtete ins Bewusstsein rücken. Schon auf dem afrikanischen Kontinent, lange bevor Menschen auf der Flucht das Mittelmeer erreichen und damit in unsere medial geprägte Wahrnehmung gelangen, sind sie zahllosen Gefahren, unfassbarer Gewalt und Ausbeutung ausgesetzt. Auf ihrem Weg treffen sie auf Menschen wie Exelmans, die ihr Möglichstes tun, um das schlimmste Leid zu verhindern oder zumindest zu lindern. Dies kann jedoch alles nicht darüber hinwegtäuschen, dass unsere einzige Möglichkeit letztendlich die Beseitigung aller Fluchtursachen ist, also die Beendigung von Kriegen und Konflikten, die Armutsbekämpfung, Gesundheitsversorgung und Klimagerechtigkeit.

21. September 2020

Themen:

Initiativkreis gegen Atomwaffen in Büchel – namentlich Elke Koller & die Kampagne „Büchel ist überall! atomwaffenfrei.jetzt – namentlich Marion Küpker (Deutschland)

Auf dem Fliegerhorst in Büchel/Eifel lagern die letzten ca. 20 US-Atomwaffen des Typs B 61 auf deutschem Boden als Relikte des Kalten Krieges und der nuklearen Teilhabe Deutschlands in der Nato. Seit 1996 setzt sich der „Initiativkreis gegen Atomwaffen“ vor Ort nicht nur für den Abzug der US-Atombomben, sondern auch für die weltweite Abschaffung von Atomwaffen ein.

Zu den treibenden Kräften dieses Initiativkreises gehört seit jeher Elke Koller. Sie ist das lokale Gesicht der Initiative. Zusammen mit ihren MitstreiterInnen aus der Gewaltfreien Aktion Atomwaffen Abschaffen organisiert sie seit 1996 alljährlich regelmäßig vor Ort stattfindende Proteste, Aktionen zivilen Ungehorsams und Demonstrationen. Es gelingt ihnen immer wieder, zu größeren Aktionen bundesweite und internationale Unterstützung von Friedensaktivisten zu finden.

Seit mehreren Jahren werden ihre Aktionen vor Ort von einem bundesweiten Netzwerk „Atomwaffen abschaffen-bei uns anfangen!“ mit der Kampagne „Büchel ist überall! atomwaffenfrei.jetzt!“ aktiv unterstützt, dem sich zahlreiche Gruppen angeschlossen haben. Diese Proteste wurden ab 2014 auf mehrwöchige Blockaden des Atomwaffenstützpunktes Büchel ausgedehnt – mit zahlreichen Aktionen zivilen Ungehorsams und gewaltfreien Blockaden der Zufahrten. Seit 2016 findet alljährlich, beginnend jeweils am 26. März eine 20-wöchige Aktions-Präsenz bis zum 9. August am NATO-Flughafen statt. Die 20 Wochen stehen jeweils für die ca. 20 in Büchel gelagerten Atombomben.

„Atomwaffen sind völkerrechtswidrig, und schon ihre Herstellung und die Forschung dafür haben verheerende Auswirkungen. Wir müssen endlich erreichen, dass diese schrecklichen Waffen wegkommen“, sagt Elke Koller. Um dies zu erreichen, reichte sie sogar eine Klage gegen die Bundesregierung ein, die im Mai 2013 jedoch als unzulässig von den Gerichten abgewiesen wurde. Seit Jahren bestimmt der Protest gegen die Bücheler Atomwaffen ihre Arbeit. Unentwegt zeigt sie Flagge gegen die Atomwaffen in Büchel.

Vor Ort sind Elke Koller und ihre MitstreiterInnen der Gruppe immer wieder Anfeindungen ausgesetzt. Denn statt vor den Bomben haben viele Menschen der Region Angst um ihre Arbeitsplätze, falls die Atomwaffen abgezogen werden sollten. Rund 1000 Soldaten sowie etwa 600 Zivilbeschäftigte arbeiten im Fliegerhorst. Doch die Mitglieder des Initiativkreises ließen sich davon nie beirren und machten weiter

Die Kampagne „Büchel ist überall! atomwaffenfrei.jetzt“ wird von dem 1994 gegründeten Trägerkreis „Atomwaffen abschaffen-bei uns anfangen!“ getragen, dem bundesweit 68 Mitgliedsorganisationen angehören. Seit 1994 setzt sich der Trägerkreis für eine Ächtung von Atomwaffen und eine atomwaffenfreie Welt ein. Er fordert insbesondere den sofortigen Abzug aller Atomwaffen, die sich auf deutschem Boden befinden.

Marion Küpker ist die internationale Koordinatorin der DFG-VK gegen Atomwaffen und im Kampagnenrat Sprecherin von „Büchel ist überall! atomwaffenfrei.jetzt“. Sie engagiert sich seit vielen Jahren in außerordentlichem Maße auch durch ihre persönliche Präsenz in Büchel und ist maßgebend an der Organisation der dortigen Protestaktionen mitbeteiligt.Die politischen Rahmenbedingungen für den Abzug der Atomwaffen haben sich aktuell indes noch weiter verschlechtert. Während es im Koalitionsvertrag von 2009 noch hieß, die Bundesregierung werde sich für den Abzug dieser Atomwaffen einsetzen, misst die schwarz-rote Koalition dem seit Jahren keine Priorität mehr bei. CDU und SPD bekennen sich zwar zum Ziel einer „Welt ohne Kernwaffen“. Dass dies leere Worte sind, bewies Deutschland jedoch bei der Abstimmung über eine Resolution für ein weltweites Verbot von Atomwaffen in der UN, als Deutschland aus den Verhandlungen gegen den Verbotsvertragsentwurf ausstieg und sich bis heute weigert, den inzwischen von zahlreichen Staaten unterzeichneten UN-Atomwaffenverbotsvertrag ebenfalls zu unterzeichnen. Überdies hatte die Vorgängerregierung bereits im Mai 2012 dem US-amerikanischen Verlangen nach Modernisierung und Aufrüstung der in Büchel gelagerten Atomwaffen zugestimmt. Vorgesehen sind demnach zielgenauere Atombomben, die Präzisionsschläge ermöglichen, und damit erhöhen sich auch die militärischen Fähigkeiten. Und nicht zuletzt droht angesichts der jüngsten Aufkündigung des INF-Vertrages ein erneuter atomarer Rüstungswettlauf, was zwangsläufig mit einer erhöhten Kriegsgefahr einhergeht.


Angesichts dessen,

  • dass es inzwischen kein Tabu mehr ist, das Wort ’Atomkrieg’ in den Mund zu nehmen
    und eine verstärkte atomare Aufrüstung und sogar eine atomare Bewaffnung Deutschlands zu fordern
  • dass führende NATO-Kommandeure erklären, es sei zwar nicht zwingend, aber „sehr wahrscheinlich“, dass es zu einem Atomkrieg mit Russland kommen werde
  • dass aktuell die Modernisierung und Aufrüstung des Atomwaffenprogramms sowohl auf russischer als auch auf US-Seite massiv vorangetrieben wird (wobei Russland zwischen 2014 u. 2024 geschätzt 54 Mrd. US-Dollar für seine nuklearen Fähigkeiten ausgeben wird und die USA im selben Zeitraum geschätzt 355 Mrd. US-Dollar)

ist es dringender denn je seit den Zeiten des Kalten Krieges, das Thema ’Atomwaffen’ wieder ganz nach oben auf die politische Agenda zu setzen. Daher verleihen wir den Aachener Friedenspreis 2019 an die beiden Organisationen, die maßgebend die Proteste in Büchel tragen als ein wichtiges Signal, um sie in ihren politischen Forderungen zu unterstützen.

Der Initiativkreis wurde im November 2013 mit dem Preis für Zivilcourage der Solbach-Freise-Stiftung ausgezeichnet. Und im November 2018 wurden sowohl der Initiativkreis als auch die Kampagne „Büchel ist überall! atomwaffenfrei jetzt!“ mit dem vom Evangelischen Kirchenkreis Oberhausen gestifteten Oberhausener Preis ausgezeichnet.

 


Wir freuen uns, Ihnen die Verleihung des Aachener Friedenspreises 2019 hier zum Nachsehen anbieten zu dürfen:
Alle Reden finden Sie in einzelnen Videos auch in in unserem Youtube-Channel

08. Mai 2019

Themen:

Concern Universal Colombia (Kolumbien) + Peng!

Concern Universal Colombia

Siobhan McGee, geboren in Wales, Sprachwissenschaftlerin und Entwicklungshelferin
Jaime Bernal geboren in Mariquita, Departament Tolima, Lehrer und Philosoph

Siobhan McGee und Jaime Bernal lernten sich in den 1980er Jahren in einem Projekt in der Stadt Guayabal kennen. Sie arbeiteten mit Menschen, die aus der völlig zerstörten Stadt Amero geflüchtet waren. Ein Lavastrom des Vulkans Nevado de Ruiz war in ein angeblich sicheres Tal geflossen und hatte über Nacht die Stadt unter sich begraben.

Seit Mitte der 1990er Jahre engagierte sich das Paar in der Provinzhauptstadt Ibagué. Projektauftrag war es, in einem von Geflüchteten gegründeten Stadtteil am Rande der Stadt Friedens- und Gemeinwesenarbeit aufzubauen. Jene, die nach der Katastrophe von Amero hierhin geflohen waren, kamen in Konflikt mit den angestammten Bewohnern der angrenzenden Stadtviertel. Gleichzeitig wohnten viele amnestierte Guerilleros in dem Viertel, was zu weiteren Konflikten in der Nachbarschaft führte.

Projektziel war und ist es bis heute, das friedliche Zusammenleben zu fördern und die Lebensbedingungen für alle dort lebenden Menschen zu verbessern. 1998 konnte der erste deutsche Freiwillige einen Dienst für Frieden und Versöhnung in Ibagué leisten und seitdem waren 18 Freiwillige, junge Frauen und Männer, dort im Einsatz. Die Arbeit wurde von Siobhan und Jaime kontinuierlich weiter entwickelt, immer unter der Prämisse, dass nur durch Gerechtigkeit ein tragfähiger Friede auf allen Ebenen möglich ist. In diesem Sinne wurden im Barrio verschiedene Projekte vor Ort ins Leben gerufen: Aufbau von Kinderbetreuung, Seniorenbildung, Kleinstbetriebe, politische Bildung zu den Themen Menschenrechte, Frauenrechte und Kinderrechte sowie Bildungs- und Beratungsangebote für junge Männer die zum Militärdienst eingezogen werden sollten. Diese Projekte bestehen bis heute und werden mit großem Einsatz und Engagement von dem Mitarbeitenden begleitet.

Mittlerweile beschäftigen Concern Universal Colombia, die mit einer Gruppe von 5 Personen begonnen haben, fast 100 MitarbeiterInnen in diversen Projekten. In den letzten 20 Jahren hat Concern seine Reichweite deutlich vergrößern können und arbeitet nicht mehr nur im eigenen Viertel, sondern in vielen Stadtteilen Ibagués und in der gesamten Provinz Tolima. Ein neuer Schwerpunkt ist die Arbeit mit Indigenen Gruppen im weit entfernten Süden der Provinz, deren Kultur auszusterben droht und die immer mehr unter Druck geraten.

Siobhan McGee und Jaime Bernal haben Concern Universal zu einem Angelpunkt im Viertel Tierra Firma gemacht. Dort haben Sie nicht nur ihr Büro und das Gelände der Organisation, sondern sie wohnen dort auch mit ihren Kindern. Ihnen ist es wichtig, keine Programme von „oben herab“ durchzuführen. Ihre Arbeit, ihr Werk – dieOrganisation Concern Universal – ist ihr Lebensprojekt.

Eine besondere Bedeutung erhält die Friedensarbeit von Concern Universal Colombia seit der Unterzeichnung des Friedensvertrages mit der FARC, da das ganze Land in eine Postkonfliktphase eingetreten ist und nun konkrete Versöhnungsarbeit auf allen Ebenen der Gesellschaft gefordert ist. Dies wird zunehmend erschwert, durch die stockende Umsetzung des Friedensvertrages durch die Regierungsseite. Besonders die indigenen Bevölkerungsgruppen und Menschenrechtsverteidiger geraten in Kolumbien unter Druck. Das Machtvakuum, das durch den Rückzug der FARC entstanden ist, wurde u.a. durch rechte Paramilitärs und kriminelle Banden aberauch durch die ELN ausgefüllt. Der Staat ist weiterhin in vielen Regionen Kolumbiens nicht anwesend und beschützt seine Bürger nicht. Allein im Jahr 2017 sind weit über 100 Aktivistinnen und Aktivisten für Menschenrechte in Kolumbien getötet worden. Dabei geht es vor allem um den Zugang zu Land und Bodenrechten sowie um die Verdrängung indigener Gruppen durch Paramilitärs, deren Existenz von Seiten der Regierung nicht zugegeben wird.

Umso wichtiger ist die Arbeit von Menschen wie Siobhan McGhee- Bernal und ihrem Mann Jaime Bernal, die sich seit den Anfängen ihres Engagements der Friedens- und Menschenrechtsarbeit verschrieben haben. Hier ist besonders die Beteiligung von Jaime Bernal am Friedensprozess auf der Ebene der Provinz (Friedenstisch – Mesa por la paz) und auf nationaler Ebene (Nationales Netzwerk in Demokratie und Frieden – Red Nacional en Democratia y Paz) hervorzuheben.

Die regionale Friedenskommission dient als Unterorgan der Comisión de Conciliación Nacional (CCL), also der nationalen Friedenskommission. Diese wurde als Ort der Zivilgesellschaft eingerichtet, um sich für Versöhnung und Frieden in dem Land einzusetzen, das seit über 50 Jahren von einem Bürgerkrieg erschüttert wird.

„Frieden ist ein lebendiges Miteinander. Versöhnung und Frieden muss im Alltag jedes Einzeln lebendig werden: In der Nachbarschaft, in der Schule, im Kiosk um die Ecke, im öffentlichen Nahverkehr, in der Bar, der Eisdiele und auf der Arbeit“ (Jaime Bernal, Concern Universal).

Siobhan McGee und Jaime Bernal von Concern Universal sehen den Weg hin zum Frieden in der Stärkung der Menschen, weshalb die Organisation den Schwerpunkt auf das Empowerment verschiedener marginalisierter Bevölkerungsgruppen unterstützt, wie Siobhan Mcgee wiedergibt: „Man muss zuerst lernen, ein demokratischer Bürger zu sein und der Rest kommt von alleine. Sich bewusst zu machen, dass man Bürger ist, ist ein wichtiges Erfordernis für die Menschen Kolumbiens in der Zeit des Postkonfliktes. Denn durch diese Einstellung wird den Menschen erst bewusst, dass sie sich im Prozess des Aufbaus befinden. Nur Bildung schafft dieses Bewusstsein, und zwar im gesprochenen und geschriebenen Wort, sowie durch Taten. Bildung schafft jene Kultur, die nach der Kurve des Glücks sucht, nach Frieden strebt und Konflikte löst.

Jaime Bernal über sein Verständnis von Frieden: „Die Gemeinde in Tierra Firme, die Organisation Concern Universal und ich als Person haben sich immer schon in der Pflicht gesehen, beim Aufbau von Frieden und bei der Verteidigung der Menschenrechte zu helfen. Das geschah und geschieht aus dem Glauben heraus, dass „das Leben
es wert ist, zusammen an etwas zu arbeiten. In der heutigen Zeit bedeutet dies konkret, dass wir die direkte Gewalt, den Krieg, die sozialen Konflikte und die bedrückende Armut hinter uns lassen müssen. Wir brauchen eine Entwicklung für soziale Gerechtigkeit, für zivile, politische, wirtschaftliche, soziale und kulturelle Menschenrechte.
Sie muss nachhaltig sein und von der Bevölkerung selbst organisiert werden.“

Peng!

Seit mehr als fünf Jahren sind sie mit Mut, Kreativität und Humor unterwegs. Immer wieder kann man in den Medien und im Internet die Aktivitäten der Gruppe verfolgen.

Peng! ist eine Gruppe von Künstlern, Aktivisten, Handwerkern und Wissenschaftlern aus Berlin. „Peng! ist ein explosives Gemisch aus Aktivismus, Hacking und Kunst im Kampf gegen die Barbarei unserer Zeit“, schreibt die Gruppe auf ihrer Website über sich selbst. Sie infiltrierten mit falschen Identitäten mehrmals Veranstaltungen als Akt zivilen Ungehorsams. Sie arbeiten beispielhaft mit ihren künstlerischen und technischen Ideen für eine andere, gerechtere und friedliche Welt. Sie prangern Ungerechtigkeit an und wenden sich gegen Krieg und Militarisierung sowie die Verführung junger Menschen für den Kriegsdienst durch die Bundeswehr, ohne ihnen die Gefahren und Risiken zu vermitteln.

Und nochmals Peng! über sich selbst: „…Wir nutzen medienwirksame Wunderwaffen für radikale Botschaften. Peng! ist der Antagonist von Werbeagenturen großer Konzerne. Wir entlarven dreckige Geschäfte, die sich unter hochglänzender Werbung versteckt. Wir hinterfragen die Selbstdarstellung von Konzernen, politische Propaganda und konventionelle Mentalitäten mit subversiven Aktionen und zivilem Ungehorsam. Wir erkunden kreative Methoden für mutigen Protest und bestärken Zivilgesellschaft und etablierte NGOs darin, ihr konventionelles Campaigning um neue Werkzeuge zu erweitern…“

Einige ihrer Kampagnen, die in jüngster Zeit gestartet sind:

Wir haben der Waffenindustrie den Krieg erklärt
80% der Bevölkerung sind gegen Rüstungsexporte. Deshalb haben wir in drei Aktionen der deutschen Waffenindustrie den Kampf angesagt und 1. ihre politischen Unterstützer*innen enttarnt, 2. ihren Ruf ruiniert und 3. sie an die Öffentlichkeit gezerrt. Im Oktober 2016 trafen wir zufällig den damaligen Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) im Zug und baten ihn, das Thema Kleinwaffenexporte zum Wahlkampfthema zu machen. Sechs Monate später hat sich die SPD immer noch nicht klar zu dem Thema positioniert, deshalb haben wir es in die Hand genommen, dem Thema Aufmerksamkeit zu widmen. Gemeinsam mit dem Schauspiel Dortmund haben wir über sechs Monate eine Kampagne entwickelt und überlegt, wie man die öffentlichkeitsscheue Waffenbranche demaskieren und eine Debatte über deutsche Waffenexporte anstoßen kann. Dabei entstanden drei Aktionen:
eine CDU Kampagne gegen Kleinwaffenexporte , ein Rückruf aller Heckler & Koch Waffen in den USA und die Verleihung des Friedenspreis der Waffenindustrie: https://pen.gg/de/campaign/artikel26/

CDU-Petition (Bildrechte: Jessica_Graeber)

Ein Gesetz gegen Waffenexporte für den Bundestag
Im Artikel 26 des Grundgesetz ist Deutschlands Verpflichtung zum Frieden verankert. „Handlungen, die geeignet sind und in der Absicht vorgenommen werden, das friedliche Zusammenleben der Völker zu stören, insbesondere die Führung eines Angriffskrieges vorzubereiten, sind verfassungswidrig.“ Doch der Geist des Grundgesetzes wird von der laxen und intranspartenten Genehmigungspraxis von Rüstungsexporten verraten. Deutsche Waffen sind in fast allen Krisenregionen der Welt im Einsatz. Damit werden die Profite der Waffenindustrie vor dem friedenspolitischen Anspruch des Grundgesetzes und vor jegliche humanitären Werte gestellt. Wir brauchen ein starkes Bundesgesetz, das Rüstungsexporte reguliert.
Deshalb haben die Peng! Aktivisten fünf Gesetzesentwürfe geschrieben, um das Kriegswaffenkontrollgesetz zu einem wirksamen Instrument gegen die einflussreiche Waffenlobby zu verwandeln. Sie starteten eine Befragung im Internet. Die Abstimmung lief über sechs Wochen. Wenn ihr bei den Ergebnissen auf die jeweiligen Gesetzestexte klickt, könnt ihr die originalen Texte lesen: https://pen.gg/de/campaign/artikel26/

Wie wollen wir das Kriegswaffenkontrollgesetz verbessern?

  1. Volles Verbot (Gesetzestext) (56%, 1.062 Votes)
  2. Verbot der Ausfuhr von Kriegs- und Kleinwaffen in Drittstaaten ohne Ausnahme (Gesetzestext) (23%, 429 Votes)
  3. Verbot der Ausfuhr von Kriegs- und Kleinwaffen in Drittstaaten mit Ausnahme der Positivliste vom Bundestag (Gesetzestext) (17%, 326 Votes)
  4. Volles Verbot der Ausfuhr von Kleinwaffen, aber alles andere möglich (Gesetzestext) (0%, 9 Votes)
  5. Alles möglich, wenig Chance auf Ausfuhr in Drittstaaten plus Negativliste von Drittstaaten plus Endverbleibskontrolle (Gesetzestext) (4%, 70 Votes)
  6. Alles bleibt, wie es ist (Gesetzestext) (0%, 3 Votes) / Total Voters: 1.899

Peng! und Schauspiel Dortmund fordern Exportstopp von Kleinwaffen
Im Namen der CDU Wählerbasis forderte das Peng!-Kollektiv mit einer Petition Bundeskanzlerin Angela Merkel dazu auf, sich für einen Exportstopp von Kleinwaffen einzusetzen. Die Petition wurde schon am ersten Tag über 500 mal unterzeichnet.
„Angesichts der alarmierenden Entwicklung der deutschen Rüstungsexporte hielten wir es für angemessen, die CDU an ihre christlichen Wurzeln und den im Grundgesetz verankerten friedenspolitischen Anspruch zu erinnern.“ sagt Jessica Gräber, Sprecherin des Kollektivs. „Und auch wenn jetzt offenbar geworden ist, dass die Aktion nicht von der CDU Wählerbasis initiiert wurde, möchten wir weiterhin dazu aufrufen, die Petition zu unterstützen, denn das Thema ist aktuell wie nie.“ Das sehen nicht nur das Peng! Kollektiv und Schauspiel Dortmund so. Zwei wichtige christliche Organisationen haben sich jetzt dem Aufruf angeschlossen:
Pax Christi und Ohne Rüstung Leben.
„Kleinwaffen gelten als die Massenvernichtungswaffen der Gegenwart. Sie verursachen“, so der prominente Rüstungsgegner Jürgen Grässlin (Aachener Friedenspreisträger 2011), „etwa 90 Prozent aller Kriegsopfer weltweit.“ Mit Herstellern wie Heckler & Koch besetzt Deutschland eine prominente Position auf dem Weltmarkt von Kleinwaffen.
„Ein generelles Verbot von Kleinwaffenexporten wäre ein starkes Signal, dass die neue Regierung Ethik und Moral vor Profitinteresse zur Grundlage ihrer Waffenexportpolitik erhebt.“ so Jessica Gräber, Mitglied des Peng!-Kollektiv.

Peng! gegen skrupellose Vermieter Die Rückkehr der Entmieteten. (Nov. 2017)
Die Entmieteten kehren zurück, um diejenigen zu plagen, die sie auf die Straße gesetzt haben. Mit einem Bot riefen Peng!-Mitglieder zwei Wochen lang bei skrupellosen Entmieter*innen an und haben sie mit den Geschichten der Verdrängten konfrontiert: : https://pen.gg/de/campaign/hauntedlandlord/ Wo Profitmaximierung durch Aufwertung lockt, greifen viele Immobilienfirmen und Hauseigentümer*innen zu skrupellosen Mitteln, um sich ihrer alten Mieter*innen zu entledigen. Entmietungen sind unmenschlich und hinterlassen tiefe Spuren in den Leben der Betroffenen. Viele dieser Geschichten gehen unsichtbar über die Bühne und die Betroffenen bleiben mit den Problemen und ihrer Wut alleine zurück. Während Eigentümer*innen sich bereichern, werden Menschen durch Wohnungsnot in dramatische Lebenskrisen gestürzt und das soziale Geflecht von ganzen Stadteilen zerstört. Zwei Wochen lang riefen wir mit einem Bot auf den Büro- und Privatnummern besonders skrupelloser Immobilienfirmen und Hauseigentümer*innen an und konfrontierten sie mit den Schicksalen der von ihnen verdrängten Menschen. Die Geister der Vergangenheit kehrten zurück, um ihre ehemaligen Vermieter*innen heimzusuchen.

Bundeswehr-Hack
Am 23. November 2015 startete das Kollektiv eine bundesweite Gegenkampagne zur Bundeswehrwerbung der Agentur Castenow. Sie bauten eine Mock-up-Website mit einem ähnlich klingenden Domain-Namen, auf der vor den Gefahren des Krieges und der Bundeswehr gewarnt wurde, anstelle wie auf der Originalseite dafür zu werben, bei der BW zu arbeiten.

Noch viele weitere Kampagnen und Aktivitäten des Kollektivs finden sich unter https://pen.gg/de/kampagnen/

 


Ansprache von Christoph Kriescher
Dankesrede von Concern Universal Colombia
Dankesrede von Peng!

Fotostrecke

Fotos von Gary Evans

05. September 2018

Themen:

No MUOS (Italien) + Jugendnetzwerk für politische Aktion (JunepA)

No MUOS

No MUOS ist eine sizilianische Bewegung gegen Militarismus, die für eine Entmilitarisierung Siziliens mit seinen zahlreichen US- und NATO-Stützpunkten und insbesondere für eine Schließung der sich auf einem US-Militärstützpunkt befindlichen Radar- und Sendeanlagen des neuen Satellitenkommunikations-Systems Mobile User Objective System (MUOS) kämpft. No MUOS kritisiert, dass das Satellitenkommunikations-System MUOS mit seinen Überwachungs- und Aufklärungstechnologien sowohl den Weltfrieden als auch die Umwelt und die Gesundheit der einheimischen Bevölkerung bedroht.

No MUOS formierte sich 2009 aus den ersten Protesten gegen das geplante neue Satellitenkommunikations-System. An der ersten Demonstration 2011 beteiligten sich bereits mehrere hundert Menschen. Ein Jahr später, am 30. März 2012, waren es schon 20.000. No MUOS genießt großen Rückhalt in der Bevölkerung und wehrt sich seither mit zahlreichen Protestformen gegen die italienischen, US-amerikanischen und NATO-Militärstrukturen auf Sizilien, die sowohl in Kriegseinsätze als auch in die tödliche EU-Migrationspolitik eingebunden sind. Sie wehren sich dagegen, Sizilien als Vorposten einer hochtechnologisierten Vergrenzung und Militarisierung des Mittelmeeres auszubauen und treten stattdessen für Frieden und Völkerverständigung ein, wollen das Mittelmeer als einen lebendigen Raum des Austauschs erhalten.

No MUOS organisiert regelmäßig Demonstrationen, Kundgebungen, Straßenblockaden, Streiks, Informationskampagnen und Aktionen des zivilen Ungehorsams, bei denen AktivistInnen in das Gelände eindringen und die Antennen der Kommunikationsanlage besetzen. Darüber hinaus geht No MUOS auch mit gerichtlichen Schritten auf unterschiedlichen Ebenen gegen die Aktivierung des MUOS vor und schafft mit Filmen, Büchern, Musik und Fotografie-Ausstellungen zu den Militärstrukturen eine antimilitaristische Öffentlichkeit.
Durch ihre intensiven Recherchen zur militärischen Rolle der auf Sizilien verorteten Technologien und Strukturen visualisiert die Bewegung No MUOS die Überwachungs- und Aufklarungstechnologien, die essenziell in der modernen Kriegsführung und Migrationsabwehr sind. Getreu dem Motto „Krieg beginnt hier!“ zeigen sie, von welchen Anlagen die Funktionstüchtigkeit der jeweilige Militärapparat abhängt und wie verletzlich dieser ist, sobald sich vor Ort organisierter Protest etabliert.

Was neben der militärischen Bedrohung viele No MUOS-AktivistInnen zur Teilnahme an den Protesten antreibt, ist auch die Sorge um ihre Gesundheit und den Fortbestand des berühmten Korkeichenwaldes von Niscemi. Das von der Militärbase ausgehende starke elektromagnetische Feld beeinträchtigt laut einer wissenschaftlichen Studie der Universität Turin tatsächlich die Gesundheit der AnwohnerInnen, das Öko­system und die Qualität der Agrarprodukte. So ist unter anderem eine deutliche Zunahme von Schilddrüsen- und Hodenkrebs sowie Leukämie und anderen alarmierenden Krankheiten bei der örtlichen Bevölkerung zu verzeichnen.

Was ist MUOS und worum geht es?
MUOS, das Satellitenkommunikations-System, ist ein zentraler Eckpfeiler der modernen weltweiten Kriegführung und als solcher für die weltweiten Einsätze der USA und ihrer NATO-Verbündeten von entscheidender Bedeutung. Die Radar- und Sendeanlage der umzäunten US-amerikanischen Naval Radio Transmitter Facility-8 (NRTF-8) und das 2017 aktivierte Satellitenkommunikationssystem MUOS befinden sich nahe der rd. 30.000 Einwohner zählenden Kleinstadt Niscemi im Südosten Siziliens. MUOS ermöglicht die Kommunikation nicht nur der Kriegsschiffe und U-Boote im Mittelmeerraum, sondern zwischen allen militärischen Einheiten der Boden-, Luft- und Seestreitkräfte weltweit und ist damit ein zentrales Kriegsinstrument, nicht zuletzt im Rahmen der Automatisierung von Kriegen, sprich des zunehmenden Einsatzes von Drohnen.

Niscemi ist zusammen mit Kojarena (Australien), Northwest Chesapeake (Virgina/USA) und Wahiaw (Hawaii) Teil eines globalen Kommunikationsnetzwerks, das vier Satelliten (und einen Ersatzsatelliten) verbindet und die netzwerkzentrierte Operationsführung der USA und ihrer Verbündeten weltweit ermöglicht. Die Kosten des Systems betragen mindestens 7,4 Mrd. Dollar. Die Datenübertragungskapazität, die in der heutigen Form der Kriegsführung eine zunehmend wichtige Rolle spielt, soll durch MUOS gegenüber dem bisher genutzten System um das Zehnfache gesteigert werden. Diese Erhöhung der Kapazitäten wird insbesondere durch den zunehmenden Einsatz unbemannter Flugkörper nötig. MUOS soll durch die Beschleunigung der Datenübertragung die Lenkung und Kontrolle von Drohnen verbessern und somit ihre Einsatzfähigkeit als Kampf- oder Überwachungsdrohnen ausweiten.

Diese hochentwickelte Technologie wird auch vermehrt zur Migrationskontrolle an den EU-Außengrenzen genutzt. Drohnen werden u.a. vom Grenzüber­wachungssystem EUROSUR und von der EU-Militärmission EUNAVFORMED im Kampf gegen Schmuggler verwendet. Zur Rettung Schiffbrüchiger tragen sie hingegen offensichtlich wenig bei, wie die (offizielle) Zahl von 5.083 ertrunkenen MigrantInnen 2016 der IOM unterstreicht. Im Gegenteil zwingt die stark militarisierte Migrationskontrolle, die ihre Überwachungskapazitäten stetig erhöht, die MigrantInnen zu immer riskanteren Strategien der Mittelmeerüberfahrt mit oft tödlichen Folgen.

Gemeinsam gegen die Vergrenzung und Militarisierung des Mittelmeers!
Es ist mehr als bemerkenswert, dass sich in einer strukturschwachen Region wie dem Südosten Siziliens, wo darüber hinaus mit den militärischen Infrastrukturen durchaus zusammenhängend verschiedene Mafiaorganisationen aktiv sind, eine derart starke zivilgesellschaftliche Protestbewegung wie No MUOS formiert.

In diesem Jahr, 2017, sieht sich No MUOS überdies mit zahlreichen Herausforderungen konfrontiert: seit Ende 2016 ist das MUOS operativ, obwohl noch das Urteil des Gerichts Caltagirone zur unrechtmäßigen Bautätigkeit aussteht. Bisher wurden für das Jahr 2017 Gerichtsprozesse gegen mehr als 126 AktivistInnen angekündigt und die im Laufe der Zeit erstandenen finanziellen Kosten erschweren der Bewegung momentan ihre weitere Entwicklung.

Öffentliche Aufmerksamkeit, Anerkennung und Solidarität werden No MUOS helfen, mit der zunehmenden staatlichen Repression umzugehen und sich weiterhin mutig für eine Demilitarisierung Siziliens und des Mittelmeers einzusetzen. Von zentraler Bedeutung ist es auch, europaweit zu unterstreichen, dass die Vergrenzung und Militarisierung des Mittelmeers nicht dem Willen der dortigen Bevölkerung – ob an den Nord- oder an den Südküsten entspricht.

Ein Aktivist erklärt zu recht: „Dies ist nicht nur unser Kampf, sondern der von allen!“ Was No MUOS braucht, ist internationale Solidarität und internationale Öffentlichkeit. Denn der Kampf, den No MUOS vor Ort führt, ist ein Kampf, den sie stellvertretend für uns alle führen, die wir uns gegen die zunehmenden Kriegseinsätze wehren wollen. Die vielfach als „humanitäre Einsätze“ verklärt werden, in Wahrheit aber neben hegemonialen Interessen keinem anderen Zweck als der der Rohstoff- und Energiesicherung dienen.

Die Verleihung des Aachener Friedenspreises ist ein wichtiges Zeichen zur Stärkung der Gruppe durch ebenjene Solidarität und Öffentlichkeit und ebenso ein wichtiges Signal im Kampf gegen das MUOS und die damit einhergehende zunehmende Entfesselung von Kriegen.

Jugendnetzwerk für politische Aktion (JunepA)

JunepA ist ein bundesweites Netzwerk von jungen Menschen. „Unser Ziel ist, eine Plattform für junge Menschen zu sein, um sich für politische Aktionen zu vernetzen und politischen Wandel herbeizuführen“, heißt es auf ihrer Website. Derzeit sind sie, neben vielen verstreuten Einzelpersonen, in 3 Regionalgruppen organisiert – die Gruppen Südwest, Lüneburg und Berlin.

Gegründet hat sich die Gruppe im Oktober 2013. Seit 2014 initiieren und beteiligen sie sich an zahlreichen Aktionen bundesweit, vor allem auch friedenspolitischen Aktionen. So haben sie sich bereits 3 Jahre in Folge an Blockadeaktionen am Atomwaffenstützpunkt Büchel beteiligt und planen dies auch für dieses Jahr. „Aufrüstung für den Frieden ist wie Schnapspralinen gegen Alkoholismus“, erklären sie.

Spektakulär und von großem Medienecho begleitet war ihre Blockade- und Go-in-Aktion im September 2016 in Büchel. In ihrer Pressemitteilung vom 12.09.2016 zu der Aktion heißt es:

Zufahrten zum Atomwaffenstandort blockiert, Startbahn besetzt.

Die Militäranlage ist seit 5:15 Uhr durch etwa 30 antimilitaristische Aktive blockiert – sämtliche geteerte Zufahrtswege sind durch Sitzblockaden sowie ein hohes Dreibein (Tripod) und in einer anderen Einfahrt durch ein in einem Auto befindlichen Betonfass versperrt, an denen sich jeweils Menschen befestigt haben. Mehrere Aktivist_innen sind auf das Gelände gelangt und haben die einzige Start- und Landebahn besetzt.

Der Betrieb des Fliegerhorsts Büchel, auf dem die letzten Atomwaffen innerhalb der BRD lagern, ist durch die Aktionen stark eingeschränkt. Durch die sogenannte „Go-In“-Aktion ist ein Start der Tornado-Kampfflugzeuge, die im Einsatzfall die Atombomben abwerfen sollen, momentan unmöglich. Wegen der blockierten Zufahrten können hunderte Angestellte im Militärdienst ihre Arbeit vorerst nicht aufnehmen. […].

„Unsere Aktion richtet sich gegen die Existenz von Atomwaffen, die immer eine unberechenbare Gefahr für die Menschheit darstellen.“ erklärt Fiona Rucke, die sich an den Aktionen beteiligt: „Daher haben wir uns dazu entschieden, mit einer entschlossenen Aktion des Zivilen Ungehorsams Sand im Getriebe der Kriegsmaschinerie zu sein.“

2017 plant die Gruppe zunächst eine Aktion gegen Waffenproduktion und/oder -exporte zu machen. So soll im Frühjahr eine Rheinmetall-Waffenschmiede in Norddeutschland blockiert werden. „Rheinmetall liefert unter anderem Waffen an menschenrechtsverachtende Staaten und in Kriegs- und Krisengebiete. Aber schon die Tatsache, dass sie die Waffen herstellen, ist für uns Grund genug, eine große, anschlussfähige Aktion zu organisieren“, erklärt JunepA.

Darüber hinaus ist eine Teilnahme an den Protesten zum G20-Gipfel am 7. Juli in Hamburg geplant. Des Weiteren eine erneute Aktion oder Aktionsbeteiligung in Büchel sowie die Teilnahme an Protesten gegen einen Castortransport.

Im Einzelnen hat die Gruppe in den Vorjahren folgende größeren Aktionen durchgeführt:

  • Aug. 2014: Blockade des Atomwaffenlagers Büchel
  • Aug. 2014: Besetzung des Truppenübungsplatzes Altmark (GÜZ)
  • März 2015: Blockade des Atomwaffenlagers Büchel
  • Juni 2015: Banner-Aktion zum G7-Gipfel im Münchener Hauptbahnhof
  • Juni 2015: Blockade des G7-Gipfels in Bayern
  • Sept. 2015: Blockade der Brennelementefabrik Lingen
  • Dez. 2015: Banner-Aktion zur COP21 an der Siegessäule, Berlin
  • März 2016: Vattenfall-Blockade in Berlin
  • Mai 2016: Ende Gelände in der Lausitz
  • Sept. 2016: Büchel Blockade und Go-In-Aktion
  • Okt. 2016: CETA/TTIP Endstation im Kölner Hauptbahnhof

 
Begründung für die Preisverleihung
Die Proteste und Aktionen zivilen Ungehorsams von JunepA sind mutig, kreativ, höchst anerkennens- und unterstützenswert. Zumal sie dazu angetan sind, auch andere junge Menschen beispielgebend zum Mitmachen zu motivieren und anzuregen. Mit ihren Protesten legt JunepA die Finger in aktuell brennende gesellschaftspolitische Wunden. Mit der Verleihung des Aachener Friedenspreises sollen diese jungen Menschen in ihrer Arbeit bestärkt werden. Nicht zuletzt tun gerade solche jungen Menschen, die sich aktiv für Demilitarisierung einsetzen, der Friedensbewegung not!

 


Rede No MUOS
Rede JunepA

05. September 2018

Themen:

Concern Universal Colombia

Siobhan McGee, geboren in Wales, Sprachwissenschaftlerin und Entwicklungshelferin
Jaime Bernal geboren in Mariquita, Departament Tolima, Lehrer und Philosoph

Siobhan McGee und Jaime Bernal lernten sich in den 1980er Jahren in einem Projekt in der Stadt Guayabal kennen. Sie arbeiteten mit Menschen, die aus der völlig zerstörten Stadt Amero geflüchtet waren. Ein Lavastrom des Vulkans Nevado de Ruiz war in ein angeblich sicheres Tal geflossen und hatte über Nacht die Stadt unter sich begraben.

Seit Mitte der 1990er Jahre engagierte sich das Paar in der Provinzhauptstadt Ibagué. Projektauftrag war es, in einem von Geflüchteten gegründeten Stadtteil am Rande der Stadt Friedens- und Gemeinwesenarbeit aufzubauen. Jene, die nach der Katastrophe von Amero hierhin geflohen waren, kamen in Konflikt mit den angestammten Bewohnern der angrenzenden Stadtviertel. Gleichzeitig wohnten viele amnestierte Guerilleros in dem Viertel, was zu weiteren Konflikten in der Nachbarschaft führte.

Projektziel war und ist es bis heute, das friedliche Zusammenleben zu fördern und die Lebensbedingungen für alle dort lebenden Menschen zu verbessern. 1998 konnte der erste deutsche Freiwillige einen Dienst für Frieden und Versöhnung in Ibagué leisten und seitdem waren 18 Freiwillige, junge Frauen und Männer, dort im Einsatz. Die Arbeit wurde von Siobhan und Jaime kontinuierlich weiter entwickelt, immer unter der Prämisse, dass nur durch Gerechtigkeit ein tragfähiger Friede auf allen Ebenen möglich ist. In diesem Sinne wurden im Barrio verschiedene Projekte vor Ort ins Leben gerufen: Aufbau von Kinderbetreuung, Seniorenbildung, Kleinstbetriebe, politische Bildung zu den Themen Menschenrechte, Frauenrechte und Kinderrechte sowie Bildungs- und Beratungsangebote für junge Männer die zum Militärdienst eingezogen werden sollten. Diese
Projekte bestehen bis heute und werden mit großem Einsatz und Engagement von dem Mitarbeitenden begleitet.

Mittlerweile beschäftigen Concern Universal Colombia, die mit einer Gruppe von 5 Personen begonnen haben, fast 100 MitarbeiterInnen in diversen Projekten. In den letzten 20 Jahren hat Concern seine Reichweite deutlich vergrößern können und arbeitet nicht mehr nur im eigenen Viertel, sondern in vielen Stadtteilen Ibagués und in der gesamten Provinz Tolima. Ein neuer Schwerpunkt ist die Arbeit mit Indigenen Gruppen im weit entfernten Süden der Provinz, deren Kultur auszusterben droht und die immer mehr unter Druck geraten.

Siobhan McGee und Jaime Bernal haben Concern Universal zu einem Angelpunkt im Viertel Tierra Firma gemacht. Dort haben Sie nicht nur ihr Büro und das Gelände der Organisation, sondern sie wohnen dort auch mit ihren Kindern. Ihnen ist es wichtig, keine Programme von „oben herab“ durchzuführen. Ihre Arbeit, ihr Werk – dieOrganisation Concern Universal – ist ihr Lebensprojekt.

Eine besondere Bedeutung erhält die Friedensarbeit von Concern Universal Colombia seit der Unterzeichnung des Friedensvertrages mit der FARC, da das ganze Land in eine Postkonfliktphase eingetreten ist und nun konkrete Versöhnungsarbeit auf allen Ebenen der Gesellschaft gefordert ist. Dies wird zunehmend erschwert, durch die stockende Umsetzung des Friedensvertrages durch die Regierungsseite. Besonders die indigenen Bevölkerungsgruppen und Menschenrechtsverteidiger geraten in Kolumbien unter Druck. Das Machtvakuum, das durch den Rückzug der FARC entstanden ist, wurde u.a. durch rechte Paramilitärs und kriminelle Banden aberauch durch die ELN ausgefüllt. Der Staat ist weiterhin in vielen Regionen Kolumbiens nicht anwesend und beschützt seine Bürger nicht. Allein im Jahr 2017 sind weit über 100 Aktivistinnen und Aktivisten für
Menschenrechte in Kolumbien getötet worden. Dabei geht es vor allem um den Zugang zu Land und Bodenrechten sowie um die Verdrängung indigener Gruppen durch Paramilitärs, deren Existenz von Seiten der Regierung nicht zugegeben wird.

Umso wichtiger ist die Arbeit von Menschen wie Siobhan McGhee- Bernal und ihrem Mann Jaime Bernal, die sich seit den Anfängen ihres Engagements der Friedens- und Menschenrechtsarbeit verschrieben haben. Hier ist besonders die Beteiligung von Jaime Bernal am Friedensprozess auf der Ebene der Provinz (Friedenstisch – Mesa por la paz) und auf nationaler Ebene (Nationales Netzwerk in Demokratie und Frieden – Red Nacional en Democratia y Paz) hervorzuheben.

Die regionale Friedenskommission dient als Unterorgan der Comisión de Conciliación Nacional (CCL), also der nationalen Friedenskommission. Diese wurde als Ort der Zivilgesellschaft eingerichtet, um sich für Versöhnung und Frieden in dem Land einzusetzen, das seit über 50 Jahren von einem Bürgerkrieg erschüttert wird.

„Frieden ist ein lebendiges Miteinander. Versöhnung und Frieden muss im Alltag jedes Einzeln lebendig werden: In der Nachbarschaft, in der Schule, im Kiosk um die Ecke, im öffentlichen Nahverkehr, in der Bar, der Eisdiele und auf der Arbeit“ (Jaime Bernal, Concern Universal).

Siobhan McGee und Jaime Bernal von Concern Universal sehen den Weg hin zum Frieden in der Stärkung der Menschen, weshalb die Organisation den Schwerpunkt auf das Empowerment verschiedener marginalisierter Bevölkerungsgruppen unterstützt, wie Siobhan Mcgee wiedergibt: „Man muss zuerst lernen, ein demokratischer Bürger zu sein und der Rest kommt von alleine. Sich bewusst zu machen, dass man Bürger ist, ist ein wichtiges Erfordernis für die Menschen Kolumbiens in der Zeit des Postkonfliktes. Denn durch diese Einstellung wird den Menschen erst bewusst, dass sie sich im Prozess des Aufbaus befinden. Nur Bildung schafft dieses Bewusstsein, und zwar im gesprochenen und geschriebenen Wort, sowie durch Taten. Bildung schafft jene Kultur, die nach der Kurve des Glücks sucht, nach Frieden strebt und Konflikte löst.

Jaime Bernal über sein Verständnis von Frieden: „Die Gemeinde in Tierra Firme, die Organisation Concern Universal und ich als Person haben sich immer schon in der Pflicht gesehen, beim Aufbau von Frieden und bei der Verteidigung der Menschenrechte zu helfen. Das geschah und geschieht aus dem Glauben heraus, dass „das Leben
es wert ist, zusammen an etwas zu arbeiten. In der heutigen Zeit bedeutet dies konkret, dass wir die direkte Gewalt, den Krieg, die sozialen Konflikte und die bedrückende Armut hinter uns lassen müssen. Wir brauchen eine Entwicklung für soziale Gerechtigkeit, für zivile, politische, wirtschaftliche, soziale und kulturelle Menschenrechte.
Sie muss nachhaltig sein und von der Bevölkerung selbst organisiert werden.“

Dankesrede von ConcernUniversalColombia zur Verleihung des Aachener Friedenspreises.

08. Mai 2018

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